Kampf um Passagiere: Zug versus Flugzeug

In Europa sind 17 verschiedene Baureihen von Zuegen unterwegs, die die Fahrgaeste mit mehr als 220 Stundenkilometern befoerdern. Schnelle Zuege sind fuer die Fluglinien in manchen europaeischen Laendern zu einer starken Konkurrenz geworden. Der 1981 eingefuehrte Hochgeschwindigkeitszug TGV hat die Air France gezwungen, Konsequenzen zu ziehen. Allein auf der neuen TGV-Strecke von Paris nach Marseille verlor die Air France seit der Einfuehrung rund 750.000 Passagiere. Flughaefen und Fluglinien beginnen, mit dem Konkurrenten Eisenbahn zu kooperieren. So stellte die Air France auf der Strecke von Paris nach Bruessel saemtliche Fluege zugunsten des Hochgeschwindigkeitszuges Thalys ein und neben der Zugnummer scheint nun auch eine Air-France-Flugnummer auf. Die Thalys-Zuege haben auf dieser Strecke taeglich rund 13.700 Fahrgaeste. Ab 2007 soll der TGV auch von Paris nach Strassburg fahren. Die Eurostar-Hochgeschwindigkeitszuege durch den Tunnel des Aermelkanals haben heute einen Marktanteil von 60 Prozent aller Passagiere zwischen London und Paris sowie 45 Prozent zwischen Bruessel und London. Das am 14. November 1994 eroeffnete Eurostar-System hat schon ueber 40 Millionen Passagiere befoerdert. Von Paris nach London fahren taeglich 14 Zuege. Dank der neuen TGV-Strecke von Paris nach Marseille ist die Mittelmeerregion per Bahn von London aus in 7 Stunden erreichbar. In Italien fahren Zuege mit Tempo 250 und 300 Stundenkilometern zwischen den wichtigsten Staedten. Der AVE faehrt zwischen Madrid und Sevilla mit 500 Stundenkilometern. Zu einem weiteren Geschaeftseinbruch fuer die spanische Fluglinie Iberia wird ab 2004 die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Madrid nach Barcelona fuehren. Bis 2007 sollen in Spanien weitere Schnellstrecken gebaut werden. Madrid soll von jeder Grossstadt Spaniens aus in mindestens 4 Stunden erreichbar werden. Dafuer werden etwa 28,3 Milliarden Euro zur Verfuegung gestellt. In Oesterreich fahren vorerst nur einzelne Eurocity-Zuege auf der Westbahn auf kurzen Strecken 200 Stundenkilometer. Die fuer den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken erforderlichen Investitionen sind aufgrund der topographischen Bedingungen volkswirtschaftlich nicht zu vertreten. Zudem liegen zu viele Ballungszentren nahe beieinander, sodass zu viele Zwischenstopps notwendig waeren. Die oesterreichische Fluglinie AUA wird daher in den naechsten Jahren auch keine Fluege zugunsten der Eisenbahn einstellen, obwohl sie kurze Inlandsfluege von Linz oder Graz nach Wien gerne streichen wuerde. Die Billig-Airlines koennen fuer die Oesterreichischen Bundesbahnen lediglich auf gewissen Fernstrecken wie von Wien nach Berlin zur Konkurrenz werden. Die Bahn hat immer noch den Vorteil, dass sie die Fahrgaeste mitten in die Staedte bringt und nicht an einen entlegenen Flughafen. (KfV/A)

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  • German

Media Info

  • Pagination: 34-5
  • Serial:
    • VERKEHR & UMWELT
    • Volume: 17
    • Issue Number: 1
    • Publisher: N. J. SCHMID VERLAG GES.M.B.H.
    • ISSN: 1019-7346

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  • Accession Number: 01193031
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 3:02PM