Die Verkehrspsychologische Beratung. Eine erste Analyse einer Stichprobe verkehrsauffaelliger Fahrer

Mit der Novellierung des deutschen Strassenverkehrsgesetzes am 19. Dezember 1997 wurde die Verkehrspsychologische Beratung als neue Interventionsmassnahme eingefuehrt. Die Verkehrspsychologische Beratung koennen 3 Personengruppen - sofern sie zuvor bereits an einem Aufbauseminar teilgenommen haben - in Anspruch nehmen: 1. Personen mit Fahrerlaubnis auf Probe; 2. Personen mit 14 bis 17 Punkten im Verkehrszentralregister (VZR); 3. Personen mit mehr als 14 oder 18 Punkten, bei denen die Fahrerlaubnisbehoerde keine Massnahmen ergriffen hat. Die Teilnahme ist freiwillig. Der Anreiz liegt in der von der Verkehrsbehoerde in Aussicht gestellten Reduzierung von 2 Punkten im VZR. Die Beratung findet in Form von Einzelgespraechen statt. Der Berater soll Ursachen von Maengeln in der Einstellung aufklaeren und Wege zur ihrer Beseitigung aufzeigen. Die vorliegende Untersuchung sollte erste Hinweise auf die Zusammensetzung der Teilnehmer der Beratung bringen. Um die verschiedenen Gruppen in der Verkehrspsychologischen Beratung zu differenzieren, wurde bei der Hypothesenbildung auf die bisherigen Forschungsergebnisse zur Verkehrsauffaelligkeit junger Fahranfaenger und auf Untersuchungen zur Verkehrsauffaelligkeit von Mehrfachtaetern zurueckgegriffen. Zur Auswertung kamen die Unterlagen einer Gruppe von 44, nur maennlichen Personen, davon 15 junge Fahranfaenger (S1), 11 Fahrer mit 14 bis 17 Punkten ohne weitere Verstoesse nach dem Aufbauseminar (S2), 7 Fahrer mit 14 bis 17 Punkten mit weiteren Verstoessen nach dem Aufbauseminar (S3) und 11 Fahrer mit 18 Punkten nach dem Aufbauseminar (S4). In der Altersverteilung der Stichproben S2 bis S4 ergaben sich keine wesentlichen Unterschiede. Das mittlere Alter der mehrfach verkehrsauffaelligen Fahrer liegt bei 35,6 Jahren. Auffaellig ist der erhoehte Anteil der auslaendischen Fahrer im Mittel mit 34,1 Prozent. Der ueberwiegende Teil der auffaelligen Fahrer verfuegt zwar ueber eine abgeschlossene Berufsausbildung, es faellt jedoch auf, dass bei der Gruppe S1 der Anteil der Personen ohne und mit abgeschlossener beruflicher Ausbildung mit jeweils 40 Prozent identisch ist und auch bei der Gruppe S4 der Anteil der Personen mit nicht abgeschlossener Berufsausbildung mit 45 Prozent relativ hoch ist. Im Vordergrund steht eindeutig ordnungswidriges Verhalten, wobei das Problem des Geschwindigkeitsverhaltens mit einem Anteil von 61 Prozent eine deutliche Beziehung zu einer vermehrten Unfallgefaehrdung sowohl bei der Gruppe der Mehrfachtaeter als auch bei den jungen Fahranfaengern darstellt. Die Analyse der Berufszugehoerigkeit zeigt, dass die Berufe Transport und Verkehr sowie Selbststaendige mit einer vermehrten Deliktbelastung im Vordergrund stehen. Im Hinblick auf die Rueckfaelligkeit ist zu beobachten, dass bei einer Beruecksichtigung bis zu sechs Rueckfallsdelikten die Rueckfallgeschwindigkeit mit der zunehmenden Anzahl der Delikte ansteigt. Insgesamt kann aufgrund der Ergebnisse gefolgert werden, dass Personen, die sich einer Verkehrspsychologischen Beratung unterziehen, einerseits Merkmale aufweisen, die bisher in der Literatur als charakteristisch fuer Fahrer mit einem hohen Gefaehrdungsverhalten und vermehrten Rueckfallsraten beschrieben werden, andererseits aber auch Hinweise darauf vorhanden sind, dass der Aspekt der Freiwilligkeit zumindest bei der Gruppe der jungen verkehrsauffaelligen Fahrer zu Selektionseffekten fuehrt. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD D346886. (KfV/A)

  • Authors:
    • KLAUS, U
  • Publication Date: 2002

Language

  • German

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Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01192961
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 3:01PM