Psychologische Wirkfaktoren medizinischer Probleme alkoholauffaelliger Kraftfahrer

Ein verkehrstherapeutischer Arbeitskreis unter der Leitung von Dietmar LUCAS und Andreas OTT befasst sich mit der Analyse des Einflusses medizinischer Untersuchungen auf die Problemaufarbeitung alkoholauffaelliger Kraftfahrer. Initiiert wurde der Arbeitskreis durch die Beobachtung, dass die Teilnehmer psychologischer Rehabilitationsmassnahmen bei therapeutischen Vorgespraechen, Voruntersuchungen und Informationsangeboten haeufig medizinische Themen in den Vordergrund stellen und psychologischen ausweichen. Die "teilnehmende Beobachtung" der Verkehrstherapeuten an den Gespraechen der Therapieklienten vor und nach den Therapiegruppen und in den Pausen ergab, dass etwa 70 Prozent der Kommunikationsinhalte auf medizinische Fragen bezogen sind, vor allem auf die Leberfunktionswerte und koerperliche Zeichen von Nervositaet wie Blutdruckerhoehung. Die Hypothese, dass die Anwesenheit eines Psychologen Hemmungen der Kommunikation ueber psychologische Themen ausloest, konnte falsifiziert werden. Zur weiteren Erhebung wurden Leitfadengespraeche in 23 Veranstaltungen mit insgesamt 701 Teilnehmern eines Wochenseminars eingesetzt. Ausserdem wurde an einer kleinen Stichprobe von Teilnehmern eine Fragebogenerhebung ueber drei Messzeitpunkte durchgefuehrt. Die bisherigen Analysen erbrachten folgende Ergebnisse: 1. Alkoholauffaellige Kraftfahrer benutzen medizinische Themen als ihnen selbst unbewusste Methode, angstbesetzten psychologischen Problemaufarbeitungen auszuweichen. 2. Der medizinische Teil einer Fahreignungsbegutachtung bekommt dadurch einen psychologischen Stellenwert fuer ihre Problemwahrnehmung, was auf die psychodynamischen und strukturellen Aehnlichkeiten des Ausweichens auf "Koerperliches" und die bei den Begutachtungen immer wieder festzustellenden "Schuldabwaelzungs- und Verharmlosungstendenzen" hinweist. 3. In den Auseinandersetzungen mit medizinischen (koerperlichen) Themen symbolisieren im tiefenpsychologischen Sinn Alkoholauffaellige die psychische Spannung zwischen ihrem Beduerfnis nach Problemloesung und ihren Angst-Widerstaenden gegen die Problemaufarbeitung. Vorlaeufiges Fazit: Der Wahrnehmung und psychischen Verarbeitung des medizinischen Teils der Begutachtung sollte in der Zukunft groessere fachliche Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ein wechselseitiger Informations- Schulungs- und Forschungskontakt zwischen Psychologen und Aerzten ist angezeigt. (A) Der Beitrag ist auch auf der 2002 vom Kuratorium fuer Verkehrssicherheit herausgegebenen CD-Rom "7. Internationaler Kongress 'Driver Improvement'" (siehe ITRD D346886) enthalten. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD D346844.

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01192404
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-7070-0053-2
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:50PM