Das niedersaechsische Modell: Integratives Konzept zur Senkung der Unfallrate junger Kraftfahrer - Programm "Kooperation Schule - Fahrschule"

Das Verhalten von Jugendlichen ist in der Regel staerker emotional gesteuert als jenes von Erwachsenen. Der Fuehrerschein ist fuer die Jugendlichen der herbeigesehnte Schluessel fuer die motorisierte Teilnahme am Verkehr. Etwa zwei Drittel der Fahranfaenger sind in Deutschland beim Erwerb des Fuehrerscheins 18 Jahre alt. 14 Prozent der Fahranfaenger fallen waehrend der zweijaehrigen Probezeit mit Verkehrsverstoessen auf und die Unfallstatistik weist bei den 18- bis 24-jaehrigen Verkehrsteilnehmern eine ueberproportional hohe Verkehrsunfallzahl auf. Ein grosser Teil der Fahrsozialisation findet zwar in der Phase nach dem Fuehrerscheinerwerb statt, der "Fuehrerschein im Kopf" wird jedoch vorher gemacht. Hier setzt der niedersaechsische Modellversuch an und geht neue Wege der Bekaempfung von Verkehrsunfaellen junger Kraftfahrer. Der Versuch wurde im Schuljahr 1999/2000 gestartet und wird mit dem Schuljahr 2001/2002 enden. Schule und Fahrschule bereiten gemeinsam kuenftige Fahranfaenger mit praeventivpaedagogischen Mitteln umfassender als bisher auf die motorisierte Verkehrsteilnahme vor. Je Schulhalbjahr wird an den teilnehmenden Schulen eine Arbeitsgemeinschaft angeboten. LehrerInnen und FahrlehrerInnen kooperieren miteinander und die SchuelerInnen koennen die PKW-Fahrerlaubnis erwerben. Eine "Fuehrerschein-AG" wird gebildet. Der Modellversuch wird von Joachim STIENSMEIER-PELSTER wissenschaftlich begleitet. An den Befragungen nimmt auch eine Kontrollgruppe mit SchuelerInnen, die eine gewoehnliche Fahrausbildung absolvieren, teil. Auf der Grundlage der Fahrschuelerausbildungsordnung und eines Programmrahmens entwickeln die ausgewaehlten und auf ihre Aufgabe vorbereiteten Lehrkraefte mit den FahrlehrerInnen ein didaktisches Konzept fuer den Unterricht. Die Rahmenthemen sind Strassenverkehr als soziales System, Regeln und Normen, Verkehr und Umwelt sowie Oeffentlicher Verkehr und Auto als Verkehrsmittel. Die Fahrschule schliesst mit den TeilnehmerInnen der AG einen eigenstaendigen Ausbildungsvertrag ab. Die SchuelerInnen der AG nehmen als Gruppe am theoretischen Fahrschulunterricht in der Fahrschule teil. Die LehrerInnen und FahrlehrerInnen werden durch das niedersaechsische Verkehrsministerium und das niedersaechsische Kultusministerium sowie durch die Landesverkehrswacht Niedersachsen in die Umsetzung des Projekts eingearbeitet. Ein regelmaessiger Erfahrungsaustausch ist wesentlicher Bestandteil der Projektumsetzung. Der Beitrag stellt 2 Methoden beziehungsweise erlebens- und verhaltensorientierte Elemente, die in der Umsetzung der "Fuehrerschein AG" erprobt wurden, exemplarisch vor: Die Methodik des Dilemma-Spiels und den Blindspaziergang. Andere Elemente, die bisher genutzt wurden, sind unter anderen Beobachtungsaufgaben im Verkehr, das Abgas-Ballon-Experiment zur Schadstoffemmission oder der Besuch beim Amtsgericht. Bis zur Jahreswende 2001/2002 wird ein Unterrichtskompendium zum Modellprojekt erarbeitet und nach einer halbjaehrigen Erprobung den an einer Umsetzung interessierten Schulen zur Verfuegung gestellt werden. Der Beitrag ist auch auf der 2002 vom Kuratorium fuer Verkehrssicherheit herausgegebenen CD-Rom "7. Internationaler Kongress 'Driver Improvement'" (siehe ITRD D346886) enthalten. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD D346844. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01192396
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-7070-0053-2
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:50PM