"Langsame" Regionen muessen nicht "arm" sein. Strategie nachhaltiger Verkehrsentwicklung

Langsamkeit wird zunehmend zu einem knappen Gut. Eine Strategie langsamer Regionen und Raeume koennte ein Beitrag zu einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung werden. In "langsamen" Regionen koennten Ausgleichsraeume der Musse und Regeneration in hoher oekologischer Qualitaet geschaffen werden. So koennten durch das Besetzen einer Marktnische auch regionalwirtschaftliche Perspektiven und Chancen eroeffnet werden. Es hat sich gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen Bruttoregionalprodukt als Indikator fuer Wohlstand und Erreichbarkeit als Indikator fuer Beschleunigung nicht so eindeutig ist, wie das vielfach angenommen wird. So ergab eine Studie des Ziviltechnikerbueros Rosinak und Partner, dass beispielsweise der Bezirk Reutte bei der Erreichbarkeit den letzten Platz aller 99 oesterreichischen Bezirke einnimmt, waehrend er beim Bruttoregionalprodukt den 18. Rang aufweist. Internationale Organisationen und nationale Institutionen setzen in den letzten Jahren zunehmend auf Nachhaltigkeit. Waehrend in den meisten Wirtschaftssektoren der Ressourcenverbrauch und die Emissionen klimawirksamer Gase reduziert oder zumindest stabilisiert werden konnten, ist eine solche Trendumkehr im Verkehr nicht gelungen. Beschleunigung ist immer noch ein Synonym fuer "Fortschritt" und gerade jene Verkehrstraeger verhindern eine nachhaltige Entwicklung, die fuer die groesste Beschleunigung sorgen, naemlich die Kraftfahrzeuge und die Flugzeuge. Fuer eine nachhaltige Verkehrsentwicklung sind nach Rosinak und Partner folgende 3 grundsaetzliche Strategien denkbar: 1. Totalausstieg aus dem Beschleunigungsprozess, der aber nur vertretbar ist, wenn eine Entkopplung zwischen Wohlstandswachstum und Verkehrssystementwicklung erreichbar waere. 2. Strategie der Entkopplung von Beschleunigung und Gefaehrdung, die versucht, die Probleme technisch zu bewaeltigen, also eine weitere Beschleunigung toleriert, solange der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen und die Gefaehrdung des globalen Gesamtsystems reduziert werden. 3. Pragmatische Uebergangsloesungen, bis solarbetriebene Elektrofahrzeuge und Flugzeuge den nachhaltigen Betrieb des Verkehrssystems gewaehrleisten. Zu den Uebergangsloesungen zaehlen das Einfrieren der Beschleunigung nicht nachhaltiger Subsysteme wie Kraftfahrzeug- und Flugverkehr in den hochmotorisierten Laendern, Substitutionen von Verkehrsleistungen nicht nachhaltiger Verkehrssysteme durch nachhaltige Systeme wie Gehen, Fahrrad, Bahn und Schiff sowie die technologische Optimierung des verbleibenden nicht nachhaltigen Verkehrs. Auf der regionalen Ebene schlagen Rosinak und Partner einen zusaetzlichen strategischen Ansatz vor, naemlich die intelligente Verknuepfung physischer Entschleunigung mit virtueller Beschleunigung, also statt Ausbau neuer Strassen Unterstuetzung von Telearbeitsplaetzen. (KfV/A)

  • Authors:
    • HIESS, H
  • Publication Date: 2002-12

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 18-9
  • Serial:
    • UMWELTSCHUTZ
    • Issue Number: 12
    • Publisher: BOHMANN DRUCK UND VERLAG GESELLSCHAFT M.B.H. UND CO. KG

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01191497
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:48PM