Laut ist out. Verdraengtes Umweltproblem Laerm

Laermbekaempfung spielt in der Oeffentlichkeit und bei den Umweltbehoerden eine geringe Rolle. Laerm wird als unerwuenschter, stoerender oder belaestigender Schall definiert. Akustische, situative und persoenliche Faktoren entscheiden darueber, ob ein Geraeusch zu Laerm wird. Physikalisch messbare Faktoren sind unter anderem die Lautstaerke und der Schalldruckpegel eines Geraeusches. Die in der Praxis wichtigste Kenngroesse fuer die Lautstaerke ist der A-bewertete energieaequivalente Dauerschallpegel. Er wird in Dezibel(A) angegeben und ist ein zeitlicher Mittelwert fuer ein schwankendes Geraeusch. Das Oesterreichische Statistische Zentralamt erhebt im Rahmen des Mikrozensus seit 1970 alle drei Jahre die "Umweltbedingungen des Wohnens". Nach der letzten Erhebung vom Dezember 1998 fuehlten sich 28,4 Prozent der Bevoelkerung in ihrer Wohnung durch Laerm gestoert. 1994 waren es noch 35,2 Prozent. Zurueckgegangen sind allerdings nur die geringfuegigen Laermstoerungen. Der Verkehr - und speziell der Strassenverkehr - ist die bei weitem wichtigste Laermquelle. 1,5 Millionen OesterreicherInnen fuehlen sich durch Verkehrslaerm belaestigt, mehr als eine Million davon "stark" beziehungsweise "sehr stark". Laermstoerungen beeintraechtigen vor allem den Schlaf und die Erholungsmoeglichkeiten in der Wohnung. Schon ab 35 Dezibel(A) kommt es zu einer Aktivierung des zentralen und vegetativen Nervensystems. Laerm erzeugt Stress und wer nachts mehr als 60 Dezibel ausgesetzt ist, hat ein erhoehtes Herzinfarktrisiko. Nach einer Studie des Umweltbundesamtes waren 1995 30 Prozent der OesterreicherInnen in der Nacht einem Strassenverkehrslaerm von 50 Dezibel und mehr ausgesetzt. Der Planungsrichtwert fuer Wohngebiete von 45 Dezibel ist damit deutlich ueberschritten. Laut einer Studie der Arbeiterkammer gilt im Laermschutz die Regel, dass zuerst Massnahmen an der Emissionsquelle zu setzen sind. Die technologischen Minderungspotenziale am Pkw und Lkw sind jedoch weitgehend ausgeschoepft. Lediglich bei den Eisenbahn-Gueterwagen koennte mit dem Umstieg auf Sintermetallbremskloetze noch eine Laermminderung von 5 bis 7 Dezibel kostenguenstig erreicht werden. Die Verkehrslaermbekaempfung verlagert sich daher immer mehr auf die Beeinflussung der Verkehrsmenge und des Verkehrsverhaltens sowie auf bauliche Schallschutzmassnahmen. Die Zunahme des Verkehrs hat dazu gefuehrt, dass es an Oesterreichs Bundesstrassen und Autobahnen innerhalb von 5 Jahren im Schnitt um ein Dezibel lauter geworden ist. Es gibt keine Verpflichtung fuer das Erarbeiten von Laermkatastern durch die Gemeinden. Infrastrukturerhalter muessen gerade noch bei Neu- oder Umbauten Immissionsgrenzwerte einhalten. Werden von ihnen Massnahmen gesetzt, dann geschieht dies auf freiwilliger Basis. Wolfgang KHUTTER, Praesident des Oesterreichischen Arbeitsrings fuer Laermbekaempfung (OEAL), setzt seine Hoffnung in die kuerzlich in Kraft getretene EU-Umgebungslaermrichtlinie, nach der die Mitgliedslaender Laermkarten und Laermschutz-Aktionsplaene fuer staedtische Ballungsraeume, das hoeherrangige Eisenbahn- und Strassennetz sowie fuer Grossflughaefen ausarbeiten muessen. Die Daten muessen oeffentlich bekanntgemacht werden. Allerdings fehlen darin Grenzwertvorgaben und Konsequenzen im Falle unzureichender Schutzmassnahmen in einzelnen Mitgliedslaendern. Oesterreich wird nicht um eine Reform der rechtlichen Rahmenbedingungen fuer den Verkehrslaermschutz herumkommen. (KfV/A)

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  • German

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  • Accession Number: 01191234
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
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  • Created Date: Oct 7 2010 2:28PM