Gut zu Fuss. Fussgaenger als Verkehrsteilnehmer 2. Klasse

Das im EU-Rahmen durchgefuehrte Projekt "WALCYNG - Walking und Cycling instead of short car trips" zeigte, dass 15 bis 20 Prozent aller Autofahrten in Europa kuerzer als ein Kilometer sind und dass ein verkehrsteilnehmerorientierter Ansatz erforderlich ist, soll das Umsteigen zum Gehen erreicht werden. Davon ausgehend wurde am Soziologischen Institut der Universitaet Wien ein Seminar "Verkehrssoziologie" durchgefuehrt, in dem sich die Studenten mit dem "Zweiteklassegefuehl" von Fussgaengern beschaeftigten. Der spezielle Teil des vorliegenden Buches enthaelt Berichte ueber die Arbeiten der Studenten. Den Rahmen fuer ihre Berichte stellen Ueberlegungen ueber die gesellschaftliche Position des Gehens, dessen Rolle in Verkehr und Mobilitaet, Sicherheitsaspekte, die Bedeutung des Marketings bei der Verfolgung verkehrspolitischer Zielsetzungen sowie zu Attraktivitaetsfragen dar. Die Seminararbeiten umfassten erstens die theoretische Aufarbeitung der Frage, was zu Gefuehlen der Zweitklassigkeit fuehrt und wie sie sich aeussern, zweitens die Sicht von Experten und Politikern, die stark von Introspektion gepraegt ist, und drittens eine aktuelle Befragung von Verkehrsteilnehmern. Zur Datenerhebung wurde ein standardisierter Fragebogen entworfen. Insgesamt wurden 99 Personen befragt (58 Frauen und 41 Maenner). Die Auswertung erfolgte zunaechst fuer die Gesamtstichprobe. Anschliessend wurden mit einfachen statistischen Analysen Zusammenhaenge und Abhaengigkeiten herausgearbeit. Dafuer wurde die Gesamtstichprobe in 9 Gruppen aufgeteilt, beispielsweise in Personen, die gerne und solche die nicht gerne gehen, und in Personen, die gerne und solche die nicht gerne Auto fahren. Das groesste Aergernis fuer die Fussgaenger ist laut dieser Befragung der Hundekot am Gehsteig. Ansonsten aergern sich Fussgaenger vor allem ueber die Luftverschmutzung durch den Kfz-Verkehr, am Gehsteig parkende Autos und ueber die Autofahrer generell, denen sie, was die physische Macht betrifft, in der direkten Kommunikation unterlegen sind. Fuer das Gehen spricht, dass es gesund und flexibel ist, subjektiv entspannt und Stress reduziert. Barrieren fuer das Gehen bestehen darin, dass man es als anstrengend und wenig komfortabel erlebt, teilweise auch als langweilig. Als objektives Problem wird die Witterungsabhaengigkeit des Gehens genannt. Zur Verbesserung der Voraussetzungen fuer das Gehen wird empfohlen, dort, wo sich Fussgaenger mit anderen die Flaeche teilen muessen, Konfliktflaechen zu vermeiden, die Gehwege attraktiver zu gestalten und die Grenzwerte fuer Abgase und Laerm besser einzuhalten. Zur Erhoehung der Motivation fuer das Gehen werden so unterschiedliche Vorschlaege gemacht wie Kosten fuer die Kraftfahrzeuge erhoehen, Werbung und Erziehung einsetzen und bessere Gehwege herstellen. Als Buerger zweiter Klasse fuehlt man sich zum ueberwiegenden Teil, weil es ein Machtgefaelle zugunsten der Autofahrer gibt. Die langen Wartezeiten an Ampeln, schmale Gehsteige und Aehnliches tragen ebenfalls zum Gefuehl der Zweitklassigkeit bei. Sie irritieren Fuehrerscheinbesitzer weit mehr als Personen ohne Fuehrerschein und vor allem dann, wenn man das Gehen nicht gewohnt ist. Will man das Gehen foerdern, wird dies zu beruecksichtigen sein. Die beiden Abschlusskapitel enthalten Ueberlegungen dazu, wie das Gefuehl der Zweitklassigkeit behoben werden koennte und wie weiter vorgegangen werden sollte. (KfV/A)

  • Availability:
  • Corporate Authors:

    MANDELBAUM VERLAG

    FERDINANDSTRASSE 25
    WIEN,   OESTERREICH  A-1020
  • Authors:
    • RISSER, R
  • Publication Date: 2002

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 179S

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01191231
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-85476-063-9
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:28PM