Wege zur Reorganisation des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Oesterreich. Eine Sammlung von Erfahrungen aus Oesterreich, Deutschland, Schweden und Grossbritannien

Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit waren die bevorstehenden Veraenderungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Oesterreich. Dazu zaehlen Marktoeffnung fuer Dritte, Rueckzug der Oesterreichischen Bundesbahnen (OEBB) von der Erbringung verschiedener Leistungen sowie internationale Wettbewerbsvorgaben. Die Leistungserbringung des SPNV liegt in deren sozialpolitischen, verkehrs- und umweltpolitischen sowie regionalpolitischen Nutzen. Der Grad der Kostendeckung aus Fahrkartenerloesen im SPNV ist niedrig. Die Notwendigkeit des oeffentlichen Mitteleinsatzes zur Finanzierung des Angebots begruendet die Gemeinwirtschaftlichkeit der SPNV-Leistungen. In Oesterreich wird im Gesetz "Oeffentlicher Personennah- und Regionalverkehr" aus dem Jahr 1999 geregelt, dass die Bundeslaender mit den Verkehrsunternehmen Vertraege ueber die Bestellung von Verkehrsdiensten abschliessen koennen. Die Einbeziehung des privaten Sektors in diesen Prozess der Leistungsvergabe soll helfen, ein Potenzial an Moeglichkeiten zur Effizienzsteigerung zu erschliessen. Ein internationaler Vergleich zwischen Oesterreich, Deutschland, Grossbritannien und Schweden zeigt, dass in Oesterreich erst einige kleine Schritte in Richtung der Etablierung von Wettbewerbsverhaeltnissen im SPNV unternommen wurden. In Deutschland besteht ein System regionaler Aufgabentraegerschaft, wobei die Aufgabentraeger durch die Erstellung von Nahverkehrsplaenen ueber klare Entscheidungsgrundlagen verfuegen. Doch auch in Deutschland wurde 1999/2000 nur ein geringer Prozentsatz der erbrachten Betriebsleistung (6,3 Prozent) im Zuge von Wettbewerbsverfahren vergeben. Regionale Aufgabentraeger fuer den SPNV in Schweden stellen den Verkehrsunternehmen teilweise von den Staatsbahnen SJ uebernommenes Rollmaterial und Gemeinschaftseinrichtungen zur Verfuegung, um so den Marktzutritt durch Dritte zu erleichtern. Der britische SPNV wird stark dominiert vom "London&South East"-Sektor zur Erschliessung des Ballungsraumes London. Speziell die privatisierten "Regional Networks" im Rest des Landes leiden unter finanziellen Schwierigkeiten, worunter mitunter die Bedienungsqualitaet leidet. Eine Gegenueberstellung von Kenngroessen der SPNV-Erschliessung der vier Staaten zeigt, dass der Bedarf oeffentlicher Mittel fuer die Leistungserbringung vor allem durch die zu entrichtenden Infrastrukturnutzungsentgelte und das Fahrpreisniveau determiniert wird. Um in Oesterreich ein effizientes und leistungsfaehiges SPNV-Angebot als integrativen Bestandteil des gesamten Systems oeffentlichen Verkehrs (OEV) zu gewaehrleisten, bedarf es einer Reform, die drei Eckpfeiler umfassen sollte: 1. Zuweisung eines klaren Stellenwerts des SPNV und Definition von Zielen; 2. Delegierung der Aufgabentraegerschaft an die Verkehrsverbund-Organisationsgesellschaften und 3. Entflechtung der derzeit hochkomplexen Finanzierungsstroeme im SPNV und Verwaltung der Mittel durch die Aufgabentraeger. Die Etablierung von Wettbewerb bei der Vergabe der Leistungsauftraege ist durch die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen im Bereich der Festlegung der Netzgroesse, der Ausgestaltung der Vertraege sowie der Verfuegbarkeit von Rollmaterial und der Bereitstellung von Schieneninfrastruktur zu unterstuetzen. Gewissenhaft zu ueberlegen ist, welche Folgen die Liberalisierung auf die Qualitaet der Leistungserbringung hat. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 153S
  • Serial:
    • IVS-SCHRIFTEN
    • Issue Number: 16
    • Publisher: OESTERREICHISCHER KUNST- UND KULTURVERLAG

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  • Accession Number: 01191230
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-85437-239-6
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:28PM