Verkehrstelematik im Benchmarktest - Wo liegen die Potenziale fuer die Verkehrssicherheit?

Es gibt grosse Erwartungen, dass mit Hilfe von Verkehrstelematik und Intelligenten Verkehrssystemen (Intelligent Transport Systems - ITS) eine Effizienzsteigerung des Verkehrssystems erreicht werden kann. Mit Unterstuetzung der EU wurde seit den 1980er Jahren in Forschungsprogrammen deren Potenzial ausgelotet und in Pilotprojekten die technische Machbarkeit untersucht. Fuer die Verkehrssicherheit haben sich bisher nur in Ausnahmefaellen positive Effekte gezeigt. Zum Unfallgeschehen tragen zahlreiche Faktoren bei und es existieren ebenso zahlreiche Theorien zur Modellierung des Fahr(fehl)verhaltens, die als Schluessel zu einem sinnvollen Einsatz der Telematik dienen koennen, etwa der Ansatz der Situation Awareness. Grosse Erfolge in der Verkehrssicherheitsarbeit werden von jenen Anwendungen erwartet, die dort ansetzen, wo der Mensch offensichtliche Schwaechen zeigt. Positive Effekte von ITS haengen allerdings stark davon ab, wie viele Fahrzeuge mit einer bestimmten Applikation ausgeruestet sind und wie sich die Auswirkungen auf das Fahrzeugkollektiv gestalten. Deutlich zeigt sich schon jetzt, dass das menschliche Verhalten komplizierter ist als zunaechst angenommen und viele positive Effekte durch menschlich-kompensatorisches Verhalten wieder zunichte gemacht werden koennten. Dort, wo ITS zur Reduktion der gefahrenen Kilometer beitraegt, ist im Normalfall auch ein positiver Dienst an der Verkehrssicherheit zu erwarten. Road Pricing kann, wie das Beispiel Oslo zeigt, zumindest im Freizeitverkehr zu einer Verkehrsreduktion fuehren. Ob Navigationssysteme die Fahrleistungen beeinflussen, ist strittig. Das Hauptproblem stellt der Umgang mit den Schnittstellen dar. Manche am Markt erhaeltlichen Geraete stellen eine echte Gefahr fuer die Verkehrssicherheit dar. ITS ermoeglicht eine Optimierung des Logistik-Managements im Strassengueterverkehr, was zu Verkehrsvermeidung fuehrt. In Schweden werden derzeit Versuche mit dem elektronischen Fuehrerschein durchgefuehrt. Mit gaengiger Smart-Card-Technologie kann die Kompatibilitaet des Fahrers mit dem jeweiligen Fahrzeug festgestellt oder die Alkoholisierung des Lenkers ueberprueft werden. Am haeufigsten finden sich Telematik-Anwendungen in den Bereichen Fahrerassistenz- und Warnsysteme sowie auf dem Feld der Verkehrssteuerung. Einige verfuegen ueber das Potenzial, Unfallrisiken zu vermeiden. Die Palette reicht vom Geschwindigkeitsbegrenzer ueber Kollisionswarner bis hin zur teilweisen Automatisierung der Fahraufgabe. In den gaengigen Fahrerassistenzsystemen werden die Aspekte der Mensch-Maschine-Interaktion oft stiefmuetterlich behandelt. Prognostizierte generelle Unfallreduktionen von bis zu 50 Prozent sind wenig realistisch. Auf den ersten Blick positiv wirkende Systeme muessen langfristig beobachtet werden, da die klassischen Phaenomene der Verkehrstechnik und der Verkehrspsychologie auch vor der Telematik nicht Halt machen. Die neuen Systeme konzentrieren sich derzeit auf Autobahnen, waehrend die zentralen Verkehrssicherheitsprobleme in Oesterreich in den Ortsgebieten liegen. Telematik-Applikationen, die sich den ungeschuetzten Verkehrsteilnehmern widmen, sind nicht bekannt. Dagegen werden Versuche mit automatischen Autobahnspuren sowie unbemannten und elektronisch gekoppelten Lkw-Zuegen durchgefuehrt. Abschliessend werden Forderungen an die EU formuliert. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346772. (KfV/A)

  • Availability:
  • Corporate Authors:

    Donau-Universitaet Krems

    ,    

    OEAMTC Akademie

    ,    
  • Authors:
    • MACHATA, K
  • Publication Date: 2001

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01191211
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-901876-10-3
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:27PM