Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Handlung in einer Flut von Reizen

Lernen und vorausschauende Verhaltenssteuerung sind jene zwei psychischen Prozesse, die es ermoeglichen, dass sich FahrerInnen trotz begrenzter Informationsverarbeitungskapazitaet in einer Flut von Reizen so zurechtfinden, dass das Ziel mit dem Fahrzeug sicher und moeglichst stressfrei erreicht wird. Menschen sind in der Lage, auf wichtige Reize sehr schnell zu reagieren und Reiz-Reaktionsverbindungen zu lernen und sie koennen sich unter Nutzung der Erfahrung ein mentales Bild von auf sie zukommenden Situationen schaffen. Zwischen Informationsgehalt und Reaktionszeit besteht normalerweise eine lineare Beziehung. Diese wird bei Muedigkeit oder Unerfahrenheit jedoch ausser Kraft gesetzt. In komplexen Situationen steigt die Reaktionszeit ueberproportional zur Informationszeit an. Um mit der begrenzten Kapazitaet des Informationsverarbeitungssystems umzugehen, verfuegen die Menschen ueber die Moeglichkeit, mit Aufmerksamkeit die Reize zu lenken. Dies ist jedoch nur moeglich, wenn bekannt ist, "wo es lang geht". Bei der aktiven Informationsverarbeitung im Strassenverkehr werden ausserdem der Stress des Fahrens, Ablenkungen und Stoerungen sowie Rauschen und Interferenzen wirksam. Unter Stress werden Informationen deutlich selektiver wahrgenommen. Voreiliges und hektisches Reagieren auf Reize ist die Folge. Ablenkungen und Stoerungen, verursacht beispielsweise durch grelle Leuchtreklamen am Fahrbahnrand, sind dadurch gekennzeichnet, dass Reize auf den Fahrer einstroemen, die aufgrund ihrer Intensitaet oder ihrer Bedeutung unmittelbar Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Informationsverarbeitungskapazitaet blockieren, die anderwaertig benoetigt werden koennte. Ablenkungen und Stoerungen sind in komplexen Verkehrssituationen, in fremden Staedten oder auch in einem ungewohnten Fahrzeug kritisch. Die Metapher des "Schilderwaldes" ist eines der praegnantesten Beispiele fuer das Rauschen im Informationsangebot. Interferenzbedingungen bestehen dann, wenn ein Verhalten gefordert wird, das nicht im mentalen Bild der FahrerInnen repraesentiert ist. Moderne Verkehrs- und moderne Telematiksysteme sollten daher FahrzeuglenkerInnen nicht mit Informationen ueberfluten, sondern das erfahrungsgeleitete antizipative Verhalten von Menschen im Strassenverkehr unterstuetzen. Sie sollen dazu beitragen, dass LenkerInnen stressfrei, mit einem Minimum an Ablenkung und Stoerungen sowie moeglichst ohne Rauschen und Interferenzen das Ziel erreichen koennen. Neue Geraete sind nur dann eine Hilfe, wenn sie keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, leicht erkennbar und erreichbar sind, das mentale Verkehrsbild und die vorausschauende Verhaltenssteuerung unterstuetzen. Wichtig sind die Vorhersagbarkeit und die Beeinflussbarkeit von potenziellen Stressoren. Daraus lassen sich Anhaltspunkte fuer Massnahmen ableiten. So sollten moderne Systeme, die neue Informationsmoeglichkeiten bieten, so gestaltet sein, dass Ablenkung vermieden wird. FahrerInnen sollten vor jeder Fahrt einen Selbstcheck durchfuehren. Fahren im ermuedeten oder in einem extremen emotionalen Zustand bringt ein erhoehtes Risiko von Fehlreaktionen mit sich. Moderne Medien ermoeglichen es, sowohl die Strecke wie auch alternative Strecken ohne viel Aufwand vorzubereiten. Die Information sollte zu einem Zeitpunkt dargeboten werden, zu dem sie nicht mit anderen Taetigkeiten interferiert. Sie sollte so beschaffen sein, dass mit ihr auf Erfahrungen zurueckgegriffen werden kann und mit ihr Handlungen optimiert werden koennen. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346772. (KfV/A)

  • Availability:
  • Corporate Authors:

    Donau-Universitaet Krems

    ,    

    OEAMTC Akademie

    ,    
  • Authors:
    • KALLUS, K W
  • Publication Date: 2001

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01191209
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-901876-10-3
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:27PM