Evolutionsbiologische Gedanken zum Thema Aufmerksamkeit

In den letzten Jahrzehnten wurden im Verkehrsbereich vielfaeltige technische Errungenschaften in Anwendung gebracht, die der Ueberlastung des Menschen entgegenwirken. Auf die Bedeutung evolutionaerer Wurzeln menschlicher Wahrnehmung und menschlichen Verhaltens versucht die Disziplin Humanethologie hinzuweisen. Die Humanethologie wird als die Biologie des menschlichen Verhaltens definiert. Im Themenfeld "Aufmerksamkeit" sind fuer HumanethologInnen vor allem die Rahmenbedingungen der menschlichen Wahrnehmung, die durch stammesgeschichtliche Anpassungen vorgegeben sind, von Interesse. Die gesamte Reizverarbeitung wurde daraufhin selektiert, die fuer die jeweilige Art relevante Umwelt sicher zu erkennen, zu bewerten und in geeigneter Weise auf sie zu reagieren. Die Wahrnehmung und Verarbeitung von Information ist auf bestimmte Reizeigenschaften abgestimmt. In einigen Faellen rufen nicht einzelne Reizeigenschaften eine Reaktion im Aufmerksamkeitssystem hervor, sondern erst eine Kombination mehrerer Merkmale, so genannte Reizmuster. Da nicht alle eingehenden Reize handlungsrelevant sind, muss ein Auswahlmechanismus eingesetzt werden. Die Auswahlfunktion erfuellt die Aufmerksamkeit. Der angeborene Ausloesemechanismus (AAM) bezeichnet das angeborene Ausdrucksverstaendnis. Dabei handelt es sich um die Moeglichkeit, die Bedeutung einer Reizsituation ohne individuelle Erfahrung richtig zu erkennen und zu bewerten. So koennen Kleinkinder bereits im Alter von 14 Tagen auf einen sich symmetrisch ausdehnenden Schatten mit Meidereaktion und Erregung antworten. Es gibt demnach eine vorgeburtlich entwickelte Aufmerksamkeit auf optische Stimuli und die Interpretation dieser Reize geschieht offensichtlich aufgrund stammesgeschichtlicher Erfahrung. Menschen schenken, evolutiv vorbereitet, gewissen Merkmalen erhoehte Aufmerksamkeit. Der Aufmerksamkeit sind allerdings Grenzen gesetzt. Das wird unter anderem durch das Verstaendnis des Prinzips von Habituation und Sensibilisierung deutlich. Habituation beschreibt das Phaenomen, dass ein staendig vorhandener, gleichbleibender oder sich wiederholender Reiz nicht mehr wahrgenommen wird. Erst nach einer Unterbrechung durch einen neuen Reiz oder eine ploetzliche Aenderung des Reizes reagiert das Aufmerksamkeitssystem wieder mit Erregung, wird es wieder sensibilisiert. Besonders bedeutsam ist auch die Tatsache, dass es den Menschen nicht moeglich ist, die volle Aufmerksamkeit auf mehrere Sinnesmodalitaeten zu richten und sie konstant zu halten. Aufmerksamkeit ist also ein kompetitives System, was beim Auto fahren besonders wichtig ist, da in einer Verkehrssituation viele Informationen um die Aufmerksamkeit konkurrieren. Die Aufmerksamkeit kann weiters durch ein zu hohes allgemeines Erregungsniveau herabgesetzt werden. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346772. (KfV/A)

  • Availability:
  • Corporate Authors:

    Donau-Universitaet Krems

    ,    

    OEAMTC Akademie

    ,    
  • Authors:
    • ATZWANGER, K
    • KAMELGER, K
  • Publication Date: 2001

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01191208
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-901876-10-3
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:27PM