Auswirkungen der neuen Telekommunikationstechnologien auf den Verkehr

Im Zusammenhang mit den neuen Telekommunikationstechnologien (TK-Technologien) tauchen neue Erloesungsmythen auf. In diesen haben Menschen und Gueter keine raeumlichen Distanzen mehr zu ueberwinden. Moderne TK-Technologien sind jene Instrumente, mit denen Informationen mit Lichtgeschwindigkeit moeglichst in multimedialer Form zielgerichtet adressierbar ueber beliebige Entfernungen uebertragen werden koennen. Es lassen sich folgende 3 verkehrsrelevante Wirkungsbereiche der TK-Techniken unterscheiden: 1. Wirkungen durch den Einsatz der TK-Techniken in den Verkehrssystemen selbst; 2. Rueckwirkungen durch Einsatz der TK-Techniken ausserhalb der Verkehrssysteme auf den Verkehr, zum Beispiel durch Telearbeit und 3. Laengerfristige Wirkungen der TK-Techniken auf Standortgefuege und Siedlungsstruktur mit deren Folge-Einfluss auf den Verkehr. Zu diesen 3 Wirkungsbereichen werden entsprechende verkehrsrelevante Thesen praesentiert. Die modernen TK-Techniken zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Informationsuebertragung wesentlich schneller abspielt als der physische Transportvorgang. Sie koennen daher transportbegleitend eingesetzt werden und so den Transportvorgang effizienter gestalten. Verkehrstechnik und TK-Technik verschmelzen zu einer effizienten Symbiose, an deren Beginn vor etwa 150 Jahren das Zusammenwirken von Eisenbahn und Telegraf stand. Daraus folgt, dass die neuen TK-Techniken durch ihren Einsatz in den Verkehrssystemen keinesfalls ein Ersatz fuer unzureichende Verkehrsinfrastruktur sind, sondern dass sie allenfalls die Leistungsfaehigkeit bestehender Verkehrsinfrastruktur um 5 bis 10 Prozent steigern. Es ist eine Illusion zu glauben, in einer freien Demokratie koenne man den motorisierten Individualverkehr mittels TK-Techniken durch vollautomatisiertes Kolonnenfahren zwanghaft beschneiden. Der Einsatz der TK-Techniken ausserhalb der Verkehrssysteme wird nicht zu einer Reduktion von Verkehrsleistungen fuehren. Verschieben werden sich allerdings die Fahrtzweckstrukturen vom Berufs- zum Freizeitverkehr. Eine Substitution von physischem Verkehr durch TK-Techniken ist nicht zu erwarten. Ueber die laengerfristigen Wirkungen der TK-Techniken auf das Standortgefuege und die Siedlungsstruktur gibt es zahlreiche Hypothesen. Der Autor vertritt die Dispersionshypothese, nach der die TK-Techniken fuer viele Aktivitaeten die Standortbindungen lockern. Die Wahl des Standortes von Wohnungen, Betrieben und oeffentlicher Verwaltung ist nicht mehr an Fuehlungsvorteile von Ballungsraeumen gebunden. Dies fuehrt ohne verbindliche, einklagbare raumordnungspolitische Regelungen zu einer voellig strukturlosen Zersiedelung, also zu einer lueckenlosen Parzellierung des Dauersiedlungsraumes. In einer solchen dispersen Siedlungsstruktur - das globale Dorf - ist ein oeffentlicher Verkehr weder oekonomisch noch oekologisch vertretbar. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346772. (KfV/A)

  • Availability:
  • Corporate Authors:

    Donau-Universitaet Krems

    ,    

    OEAMTC Akademie

    ,    
  • Authors:
    • Cerwenka, P
  • Publication Date: 2001

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01191207
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-901876-10-3
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 2:27PM