Altengerechte Wohnungsumgebungen

Aeltere Menschen sind bestrebt, die selbstbestimmte Lebensfuehrung am vertrauten Wohnstandort so lange wie moeglich aufrechtzuerhalten. Als handlungsleitendes Paradigma bestimmt dieses Autonomiebestreben die Gestaltung des Alltags, die Festlegung der Handlungsorte und die Auswahl der Interaktionspartner. Nicht einmal 5 Prozent der aelteren Menschen leben in Heimen, die ueberwiegende Mehrheit lebt im eigenen Haushalt. Die Wohnstandorte aelterer Menschen konzentrieren sich derzeit ueberdurchschnittlich in den zentrumsnahen Quartieren, in den Wohnsiedlungen der 50er und 60er Jahre sowie in den Kernen der ehemals selbststaendigen Vororte. Aeltere Menschen ziehen um den Faktor 3 seltener um als juengere Personengruppen, dabei finden mehr als zwei Drittel der Umzuege in einer Entfernungszone von nur 50 km statt. Etwa zwei Drittel der Umzuege lassen sich auf unzulaengliche Lebens- und Wohnbedingungen zurueckfuehren, nicht einmal jeder fuenfte Fortzug entspricht dem Profil einer klassischen Ruhesitzwanderung. Wenn sich die Vertrautheit des Milieus in seiner baulichen, raeumlichen und sozialen Dimension aufloest, wird eine als bedrohlich empfundene Heimunterbringung befuerchtet. Die Wuensche nach Beibehaltung der vertrauten Wohnform auch im Falle gravierender Maengel, nach Mischung der Generationen sowie die geringe Resonanz auf alterspezifische Infrastrukturangebote sind Ausdruck des Bestrebens nach Integration in das bestehende siedlungs- und sozialraeumliche Gefuege. Die Aufrechterhaltung von Umweltbezuegen dient Aelteren als taeglicher Beweis ihrer Faehigkeit zur selbstbestimmten Lebensfuehrung und der Sicherung der eigenen Biografie und Identitaet in einer sich wandelnden Welt. Siehe auch ITRD-Nummer D347503.

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01190091
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • ISBN: 3-8100-3124-0
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 1:48PM