IC-Zug, Neigezug oder Fernlinienbus? Systemvergleich des oeffentlichen Personenfernverkehrs im Korridor der oesterreichischen Suedbahn (Wien - Graz beziehungsweise Wien - Klagenfurt - Villach)

In der vorliegenden Untersuchung wird fuer die Eisenbahnstrecken des so genannten Suedbahn-Korridors untersucht, ob das Fernverkehrsangebot, das heute in Form eines Taktverkehrs mit Intercity-Zuegen besteht und in naher Zukunft voraussichtlich mit Neigezuegen abgewickelt werden soll, durch ein gleichwertiges Angebot von Fernlinienbussen ersetzt werden kann und ob dabei fuer ein Verkehrsunternehmen Kosteneinsparungen zu erzielen waeren. Fuer die Untersuchung wurden die Angebotsvarianten Intercity-Zug (IC), Intercity-Neigezug (ICT), Intercity-Busse (ICB) und Express-Bus (EXB) erstellt. Da keine der beiden Varianten ICB oder EXB allein ein ausreichend befriedigendes Betriebsprogramm als Alternative zum Schienenverkehr bieten kann, wurde eine zusaetzliche Variante mit der Bezeichnung "Bus-Mix" eingefuehrt. Das fuer die vorliegende Untersuchung entwickelte Zielsystem beinhaltet in einem ersten Segment die beiden anbieterseitigen Kostenkomponenten Infrastrukturkosten und Betriebskosten, in einem zweiten Segment die ausgewaehlten gesamtwirtschaftlichen Kostenkomponenten Schadstoffkosten, Unfallkosten und Zeitkosten der Benutzer. Die Ergebnisse zeigen tendenziell, dass der Einsatz von Fernlinienbussen anstelle von Fernzuegen im Suedbahn-Korridor unter Einbeziehung gleicher Kostenkomponenten in jedem Betrachtungsszenario und selbst bei Einbeziehung von Unfall- und Schadstoffkosten nahezu immer geringere Kosten als der Zugbetrieb verursacht. Die Kostenunterschiede zwischen dem Angebot auf der Schiene und dem Angebot auf der Strasse werden in hohem Masse von der Gestaltung der Infrastrukturbenutzungsentgelte beeinflusst. Werden zusaetzlich die Zeitkosten der Benutzer beruecksichtigt, ergibt sich unter anderem, dass die Variante Bus-Mix bis zu Auslastungsgraden von etwa 25 bis 30 Prozent kostenguenstiger ist als die Zugvarianten. Im Vergleich zum ICT-Zug ist der EXB bis zu einem Auslastungsgrad von etwa 50 Prozent als kostenguenstiger oder zumindest gleichwertig einzuschaetzen. Bei hoeheren Auslastungsgraden geht dieser Vorteil gegenueber dem ICT-Zug verloren. Bei der Strecke Wien - Graz gibt es nur einen gemeinsamen Break-even-Punkt fuer die beiden Zug-Varianten und den Bus-Mix, naemlich bei einem Auslastungsgrad von etwa 33 Prozent, ab welchem die gesamten Verkehrskosten der Zug-Varianten unter den Bus-Varianten liegen. Bei der Strecke Wien - Klagenfurt - Villach liegen die gesamten Verkehrskosten der Variante Bus-Mix nur bis zu einem Auslastungsgrad von etwa 25 Prozent unter jenen der Zug-Varianten. Beachtung verdient jedoch die Tatsache, dass die Variante EXB fuer sich alleine betrachtet auf dieser Relation immer kostenguenstiger ist als die Variante IC und sogar bis zu einem relativ hohen Auslastungsgrad von etwa 70 Prozent auch gegenueber dem ICT-Zug konkurrenzfaehig ist. Einige nicht unwesentliche Kriterien konnten bei den Kostenvergleichen nicht beruecksichtigt werden. Gegen das System Bus sprechen die laengeren Fahrzeiten und die mangelnde Zuverlaessigkeit, fuer den Bus sprechen beispielsweise kleinere Taktintervalle und Direktverbindungen. Aus den untersuchten Angebotsvarianten laesst sich eine sinnvolle Ergaenzung des bestehenden Eisenbahnsystems mit Pilotcharakter ableiten. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 5-111
  • Serial:
    • IVS-SCHRIFTEN
    • Issue Number: 11
    • Publisher: OESTERREICHISCHER KUNST- UND KULTURVERLAG

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01189654
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-85437-225-6
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 1:39PM