Zur Crux mit den Verkehrsmodellen

Eine kritische Betrachtung der bestehenden Modellierungsansaetze gibt Anlass zu fragen, wie es gelingen kann, dass Verkehrsmodelle zumindest in Teilbereichen Aehnlichkeiten bis hinreichende Uebereinstimmung mit Realitaeten aufweisen koennen. Verkehrsmodelle sind das Ergebnis des Versuchs, in einem Raum-Zeitfenster das reale Verkehrsgeschehen abzubilden. Die Modellierung umfasst eine grosse Anzahl einzelner Komponenten, die alle unterschiedlich fehlerbehaftet sind. Es ist notwendig, sich mit diesen teilweise unvermeidlichen Fehlern staerker zu befassen. Die raeumliche Aggregation verhindert ein realistisches Fahrtenabbild. Eine Fahrt beginnt und endet an einem Stellplatz. Die Modellierung der raeumlichen Aggregation unterschlaegt jedoch Teile der Fahrten und die Wegewahl wird durch die Methode der konzentrierten Einfuellung oft gravierend verfaelscht. Eine Netzauswahl bedingt, dass nur ein Teilverkehr abgebildet werden kann. Verkehrsmodelle bilden fuer das Aussennetz nur jene Teilverkehre ab, die mit dem Planungsraum als Quell-, Ziel- oder Durchgangsverkehr in Beziehung stehen. Fuer die Routenwahl kann dieser Teilverkehr je nach Herkunft der Verkehrsstrommatrix gravierende Verfaelschungen zur Folge haben. Eine Mehrfachanbindung von Verkehrszellen an das Netz loest das Problem nicht. Fuer Netzteile, die von starken Zell-Binnenverkehrsstroemen belastet sind, liegen die resultierenden Modellbelastungen grundsaetzlich zu niedrig. In juengerer Zeit wird versucht, Unterschiede zwischen gerechneten Strecken- und Knotenbelastungen einerseits und gezaehlten Belastungen andererseits durch Eichung auszugleichen. Ein weiteres schwerwiegendes Manko der Verkehrsmodelle liegt in der mangelhaften empirischen Basis im Hinblick auf die Modellierung des Verkehrsverhaltens. Werden ueberhaupt empirische Erhebungen durchgefuehrt, beschraenken sie sich bei groesseren Planungsraeumen auf Haushaltsbefragungen mit Kleinststichproben. Die Variation des individuellen Verkehrsverhaltens ist eine unbekannte Groesse. Aus einer quellorientierten Stichprobe laesst sich die Zielwahl nicht ableiten. Die Beschreibung der Zielattraktivitaeten als Ausloeser fuer Wege in der Verkehrsnachfragemodellierung fehlt weitgehend. Die Modellierung der Verkehrsmittelwahl geht von weitgehend unrealistischen Voraussetzungen aus, zum Beispiel davon, dass der Verkehrsteilnehmer ueber eine vollstaendige Kenntnis der Vor- und Nachteile aller Alternativen verfuegt oder dass sich alle Verkehrsteilnehmer nach den selben Kriterien wie Zeit und Kosten entscheiden. Besonders unbefriedigend ist die Modellierung des Routenwahlverhaltens. Sie erfolgt nach einheitlichen Kriterien fuer alle Verkehrsteilnehmer, obwohl nachgewiesen ist, dass die Routenwahl in starkem Mass von der Kenntnis alternativer Moeglichkeiten im Netz abhaengt. In Zukunft muss die Qualitaet der Abbildung des Verkehrsgeschehens mit Hilfe von Verkehrsmodellen definiert werden. Damit sollen ungerechtfertigte Ansprueche des Auftraggebers eingegrenzt und der Auftragnehmer veranlasst werden, unter den gegebenen Bedingungen die bestmoegliche Modellierung zu realisieren. Abschliessend werden Ueberlegungen zur Weiterentwicklung der Verkehrsmodelle angestellt. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346460. (KfV/A)

  • Availability:
  • Corporate Authors:

    Technische Universitaet Wien, Institut fuer Verkehrssystemplanung

    ,    
  • Authors:
    • Schoenharting, J
  • Publication Date: 1999

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 147-62
  • Monograph Title: Festschrift fuer Gerd Steierwald
  • Serial:
    • IVS-SCHRIFTEN
    • Issue Number: 6
    • Publisher: OESTERREICHISCHER KUNST- UND KULTURVERLAG

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01189649
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-85437-181-0
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 1:39PM