Planungsmethoden im Radverkehr auf der Grundlage der Verkehrsnachfrage

Prognosewerte im Radverkehr sind meist nur in genereller Form ohne Differenzierung nach Netzabschnitten verfuegbar. In Wien wurde eine Planungsmethode entwickelt, die neben qualitativen auch quantitative Kriterien zur Bewertung von Radverkehrsnetzen und fuer die Festlegung von Ausbaustufen aufgrund der Verkehrswirksamkeit umfasst. Die Verkehrsnachfrage haengt vom Verhalten der Menschen bei einem entsprechenden Verkehrsangebot und von der Siedlungsstruktur ab. Verschiedene Untersuchungen und Verkehrszaehlungen haben ergeben, dass in Wien ein hoher Anteil von Wegen durch den Radverkehr substituiert werden kann. Bei der Bearbeitung des Radverkehrsgrundnetzes von Wien werden Baubloecke als Zellengroesse definiert. Unter der Festlegung der zu erwartenden Mobilitaet pro Altersklasse werden fuer die einzelnen Baubloecke Verkehrsprognosen des Quellverkehrs der Einwohner erstellt. Dabei werden die blockweisen Radfahrpotenziale absolut und flaechenbezogen berechnet. Die Gesamtsumme aller Baubloecke ergibt fuer Wien einen Radverkehrsanteil von 6 Prozent. Auch die Berechnung der Zielverkehrsstroeme erfolgt differenziert nach Fahrtzwecken. Im Gegensatz zur ueblichen Radverkehrsplanung mit lediglich graphischer Verbindung von Quellen und Zielen mit Verkehrswunschlinien kann durch die Berechnung der zellenbezogenen Quell- und Zielverkehrspotenziale eine Zuordnung dieser Prognosewerte auf Strecken oder Verkehrswunschlinien erfolgen. In der Regel muessen mehrere Wunschlinienalternativen untersucht werden. Dabei wird das Potenzial moeglicher Streckenabschnitte abgebildet. Die Festlegung von "Fixpunkten" fuer das Hauptradwegenetz ist eine wesentliche Randbedingung fuer die Erstellung der Wunschlinien. Solche Fixpunkte sind Universitaeten und grosse Schulen, Krankenhaeuser, Bahnhoefe, Erholungs- und Parkanlagen sowie wichtige Freizeiteinrichtungen. Weiters erfolgt eine Differenzierung nach den Fahrtzwecken. In Abstimmung mit den bestehenden Radverkehrsanlagen und den ermittelten Potenziallinien, den Fixpunkten im Radwegenetz sowie der Einbeziehung der Reiseweiten werden die Netzvarianten im Radverkehr festgelegt. Diese Netzabschnitte werden neuerlich mit den einzelnen Potenzialen der Baubloecke von Wien ueberlagert. Der Ausbau des Radverkehrsnetzes wird entsprechend den Ergebnissen der Verkehrswirksamkeit aufgrund der Verkehrspotenziale nach Prioritaetsstufen gereiht. Einzelne wesentliche Hauptrouten wurden fuer die bevorzugte Umsetzung ausgewaehlt. Zwischen 1994 und 1998 ist die Gesamtradwegenetzlaenge um weitere 91 Kilometer beziehungsweise um 38 Prozent gewachsen. Die verkehrliche Wirksamkeit des 1994 erstellten Konzeptes kann durch Zaehlungen bereits realisierter Abschnitte geprueft werden. Allerdings sind nur rund 40 Prozent des kurzfristigen Netzes realisiert worden. Einzelne Erhebungen zeigen, dass Radwegeanlagen mit hohen Potenzialwerten hohe Radfahrverkehrsbelastungen aufweisen. Die Ueberarbeitung fuer das Radverkehrskonzept 2000 erfolgt auf der Grundlage der Ergebnisse der Entwicklung der letzten 5 Jahre. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346460. (KfV/A)

  • Availability:
  • Corporate Authors:

    Technische Universitaet Wien, Institut fuer Verkehrssystemplanung

    ,    
  • Authors:
    • Nadler, F
  • Publication Date: 1999

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 137-46
  • Monograph Title: Festschrift fuer Gerd Steierwald
  • Serial:
    • IVS-SCHRIFTEN
    • Issue Number: 6
    • Publisher: OESTERREICHISCHER KUNST- UND KULTURVERLAG

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01189648
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-85437-181-0
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 1:39PM