Das View-Point-System - Probleme von Omnibusfahrern in Bezug auf Strassenbauverhaeltnisse

Am Ludwig-Boltzmann Institut in Wien wurde das View Point-System zur Registrierung, Auswertung und Analyse von Blickbewegungen entwickelt. Das System besteht aus einer Messbrille, an der zwei modernste CCD-Kameras angebracht sind. Mit einer CCD-Farbkamera wird ein Grossteil des Gesichtsfeldes des Probanden aufgezeichnet. Zusaetzlich kann die CCD-Farbkamera mittels Software gesteuert und so den unterschiedlichsten Einsatzbedingungen angepasst werden. Eine Schwarz-Weiss-Kamera registriert die Augenbewegungen des rechten Auges des Fahrers. Die beiden Bildinformationen werden auf ein digitales Videosystem aufgezeichnet und mit einem periodischen Signalmodulator und einem Time-Code zeitlich synchronisiert. Als Endprodukt erhaelt man einen sogenannten Blickfilm, in dem der Mittelpunkt eines Fadenkreuzes den Fixationspunkt auf dem Gesichtsfeldvideo darstellt. Im Zuge von Blickuntersuchungen mit dem View Point-System kann das Blickverhalten der Buslenker nachvollzogen werden, wobei die genauen Blickzuwendungen, Blickbindungen, Blickabsetzen, aber auch bestehende Komplexitaeten von Blickabfolgen offengelegt werden. Mit dem Wiener Unfall-Analyse-System (UAS) ist die genaue Analyse der Busunfaelle mit eindeutiger Unfalltypenzuordnung moeglich, so dass genaue Aussagen ueber die aktuellen Risiken fuer Busfahrzeuge moeglich werden. Durch die Auswertung aller Busunfaelle in Oesterreich in den letzten 5 Jahren zeigt sich zum Beispiel, dass sich die meisten Unfaelle auf untergeordneten Strassen in Ortsgebieten ereignen. Durch die Moeglichkeiten der oertlichen Unfallforschung und Unfallsimulation lassen sich die realen Unfallursachen direkt zuordnen und mit Hilfe der Blickverhaltensuntersuchungen koennen die menschlichen Defizite genau erforscht werden. Die Ergebnisse der Untersuchungen des Ludwig Boltzmann-Instituts beweisen, dass die physiologischen Leistungsgrenzen der Informationsaufnahme im Verkehr oftmals ueberschritten werden, so dass vielfach im sehphysiologischen Grenzbereich gefahren wird. Gerade im Einsatz des Linienverkehrs zeigen die Blickverhaltensuntersuchungen in den Ortsgebieten sehr hohe Komplexitaeten, wobei insbesondere im Zusammenhang mit den Ein- und Aussteigevorgaengen und den notwendigen Blicken in die Spiegel ein zusaetzlicher Stressfaktor gegeben ist. Aufgrund der eingeschraenkten Sichtverhaeltnisse aus Fahrersicht benutzt der Buslenker auch die Spiegel fuer die Navigation des Busses im Strassenbereich. Mit Hilfe des View Point-Systems koennen zukuenftig spezifische Routen und Linienfuehrungen im Busverkehr auch hinsichtlich der Informationsaufnahme umfassend und systematisch geprueft werden. Damit kann ein wesentlicher Beitrag zur sicherheitstechnischen Optimierung geleistet werden. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346439. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01189400
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 90-76408-09-02
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 1:34PM