Analyse eines fatalen Busunfalls in den Alpen im Jahre 1999

Bei dem im Beitrag analysierten Unfall kamen 18 Personen ums Leben. 28 Personen wurden verletzt, die meisten schwer. Es handelte sich um Schueler eines ungarischen Gymnasiums, die nach dem Schifahren ins Hotel zurueckgebracht wurden. Der Reisebus wurde vom ungarischen Busunternehmer selbst gelenkt. Der Unfall ereignete sich auf der Landesstrasse Nummer 619 in Deutschlandsberg in der Steiermark. Auf der stark abfallenden Strasse wurde der Bus immer schneller. Der Lenker versuchte vergeblich, durch staendiges Pumpen mit der Fussbremse und dem Einlegen eines niedrigeren Ganges die Geschwindigkeit herabzusetzen. Da dies nicht gelang, kam es zu ungewollten Ueberholvorgaengen, die durch staendiges Hupen und mit Lichtsignalen angekuendigt wurden. Schliesslich kam der Bus linksseitig von der Strasse ab, sprang ueber die etwa 7 Meter hohe Boeschung und schlug mit der Frontseite unmittelbar vor der Zufahrt zu einem Anwesen auf. Dabei scherte das Heck des Busses linksseitig aus, schlug mit der linken Busseite bei einer 70 Zentimeter hohen Stuetzmauer auf, ueberschlug sich und kam mit den Raedern nach oben in der steil ansteigenden Gartenanlage des Anwesens zu liegen. Der gesamte Rahmen des Busses war verbogen, 42 der 53 Sitze, der Motorblock und die Kompressorleitung waren ausgerissen, alle Scheiben zerborsten und die Bremse hatte alle Anzeichen von Ueberhitzung. Die Untersuchung nach dem Unfall ergab unter anderem, dass die Steher der Fahrgastzelle innenseitig an vielen Stellen stark korrodiert, die Elektrik der Bordanlage an einigen Stellen unfachmaennisch ausgebessert und repariert worden und die Bremse wahrscheinlich ueberhaupt nicht mehr funktionsfaehig gewesen war. Die im Fahrzeug eingebaute Telma-Wirbelstrombremse war bereits vor dem Unfall elektrisch und steuerungsmaessig defekt. Die vorhandene Betriebsbremse, eine Trommelbremse, war als Dauerbremse nicht geeignet, da durch die Reibung zuviel Waerme entsteht. Dadurch sind die vorderen Bremsen auf der Unfallfahrt durch Ueberhitzung vollstaendig ausgefallen. Es folgt aus der Begutachtung der Kupplung, dass es dem Fahrer nicht gelungen ist, bei schneller werdendem Fahrzeug auf einen niedrigeren Gang zurueckzuschalten. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass der Unfall auf eine sehr schlecht funktionierende Betriebsbremsanlage, eine defekte Wirbelstrombremse und auf das Verhalten des Buslenkers, insbesondere das Auskuppeln bei einer Geschwindigkeit von 51 Stundenkilometern, zurueckgefuehrt werden kann. Dem Beitrag beigefuegt sind zahlreiche Fotos zum Unfall und zur Unfallstrecke. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346439. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01189394
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 90-76408-09-02
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 1:34PM