Weibliche Perspektiven zum Radverkehr am Beispiel des EU-Projektes COMET

Verkehrsplanung und damit auch Radverkehrsplanung ist sehr stark an den Mobilitaetserfahrungen von 20- bis 60-jaehrigen gesunden Maennern orientiert. Nur ein Prozent der etwa 1.200 oesterreichischen IngenieurskonsulentInnen fuer Bauwesen sind beispielsweise Frauen. Frauen werden aber in Zukunft das Ausmass der Motorisierung bestimmen. Besonders berufstaetige Frauen sind hochmobil und legen oft wesentlich mehr Wege zurueck als Maenner. Derzeit bewaeltigen Frauen diese Wege grossteils mit oeffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad. Eine Entwicklung in Richtung vermehrter Autonutzung ist jedoch absehbar. Frauen sind massgeblich am stark steigenden Begleit- und Serviceverkehr beteiligt. Da Frauen im Gegensatz zu Maennern sehr viele Wegeketten zuruecklegen, ist fuer viele Frauen in der Stadt das Fahrrad ein ideales Verkehrsmittel. Der starke Autoverkehr, die kaum vorhandene oder nicht auf die Beduerfnisse der Radfahrerinnen zugeschnittene Fahrradinfrastruktur verhindern derzeit eine staerkere Nutzung des Fahrrads. Frauen sollten staerker in die Verkehrsplanung einbezogen werden. Ziel des Projekts "COMET - Clever women on the move" war es, das Mobilitaetsverhalten der Radfahrerinnen in Graz zu erheben und Frauen durch verschiedene Angebote und Aktionen dazu zu motivieren, das Rad vermehrt als Alltagsverkehrsmittel zu nutzen. Es wurde versucht, stark auf die individuellen Wuensche der Frauen einzugehen und die Emotionen anzusprechen. Die Ergebnisse der Erhebung bestaetigten, dass das Fahrrad fuer Frauen ein gaengiges und beliebtes Transportmittel ist. Die Mehrheit der Frauen besitzt ein Fahrrad. Gesundheit und Fitness sind die wichtigsten Gruende, mit dem Fahrrad zu fahren. Die Mehrheit der Frauen glaubt, dass das Fahrrad in Zukunft ein wichtiges Verkehrsmittel sein wird. Als Haupthindernisse fuer die Benutzung des Fahrrads werden der starke Autoverkehr und die damit verbundenen zu hohen Geschwindigkeiten sowie die Gefaehrdung der persoenlichen Sicherheit genannt. Keine oder schlecht gelegene, ploetzlich endende, enge und unzureichend beleuchtete Radwege sowie die Tatsache, dass oft Hauptverkehrsstrassen benuetzt werden muessen, ist fuer viele Frauen der Grund, das Fahrrad im Alltagsverkehr nicht einzusetzen. Viele Frauen glauben, besonders sicher zu sein, wenn sie ganz am Fahrbahnrand fahren. Diese defensive Fahrweise verleitet jedoch die Autofahrer zu einer ruecksichtslosen Fahrweise. Viele Frauen scheuen sich auch, Kinder mit Fahrradanhaengern zu transportieren. Abschliessend werden allgemeine Forderungen zur Verbesserung des Radverkehrs und die im Anschluss an die Befragung in Graz zugunsten von Radfahrerinnen ergriffenen Massnahmen aufgelistet. Dazu gehoeren unter anderem die Durchfuehrung einer Informationskampagne, die Einrichtung einer Hotline und das Angebot von Fahrradreparaturkursen. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346368. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01189124
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-7070-0044-3
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 1:28PM