Radunfaelle und Radfahren gegen die Einbahn

Der Beitrag enthaelt im ersten Teil eine Analyse der Radfahrerunfaelle im oesterreichischen Bundesland Salzburg und im zweiten Teil Ueberlegungen zur Oeffnung von Einbahnstrassen fuer Radfahrer in die Gegenrichtung. 1999 wurden im Bundesland Salzburg bei 490 gemeldeten Radunfaellen 497 Radfahrer verletzt und zwei getoetet. Mehr als die Haelfte der Unfaelle ereigneten sich in der Stadt Salzburg. Bei fast jedem fuenften Verkehrsunfall war ein Radfahrer beteiligt. Die Zahl der Radunfaelle bewegt sich seit einigen Jahren annaehernd auf gleichem Niveau. Mehr als zwei Drittel der Radunfaelle ereigneten sich 1999 in den Monaten Mai bis September vorwiegend an Werktagen. Am gefaehrlichsten ist die Abendspitze zwischen 16 und 18 Uhr. Zehn Prozent der Radunfaelle ereigneten sich bei Regen oder Schneefall. Fast zwei Drittel der Radunfaelle ereignen sich im untergeordneten Strassennetz. Besonders gefaehrdet sind Radfahrer auf Kreuzungen, und zwar auch dann, wenn eine klare Regelung der Vorrangverhaeltnisse durch Verkehrszeichen oder Ampel besteht. Etwas ueber ein Fuenftel der Unfaelle ereignet sich auf Radverkehrsanlagen. Mindestens jeder dritte Radunfall ist auf eine Vorrangverletzung zurueckzufuehren, die mehrheitlich von den Pkw-Lenkern begangen wird. Zwei Drittel der Zusammenstoesse ereigneten sich zwischen Radfahrern und Pkw, 17 Prozent zwischen Radfahrern und bei 7 Prozent waren Fussgaenger involviert. Einbahnregelungen verursachen Umwege, die die Benuetzung des Fahrrads unattraktiv machen. Sie verleiten Radfahrer zum Fahren gegen die Einbahn oder zum Fahren auf Gehwegen. Zur Erhoehung der Durchlaessigkeit des Strassennetzes abseits der Hauptverkehrsstrassen werden daher zunehmend Einbahnstrassen fuer den gegengerichteten Radverkehr geoeffnet. In der Stadt Salzburg sind fuer Radfahrer derzeit 64 Einbahnstrassen in Gegenrichtung geoeffnet. Untersuchungen zeigen, dass Begegnungen mit Kraftfahrzeugen aufgrund des guten Sichtkontaktes unproblematischer verlaufen als Ueberholvorgaenge. Radfahrer, die gegen die Einbahnrichtung fahren, halten einen groesseren Abstand zu parkenden Fahrzeugen als jene in gleicher Fahrtrichtung und fahren lediglich im Fall einer Begegnung mit einem Kraftfahrzeug kontrolliert nach rechts. Geschwindigkeitsmessungen zeigten, dass Kraftfahrzeuge bei Begegnungen mit Radfahrern deutlich langsamer fahren als bei unbehinderter Fahrt, beim Ueberholen in gleicher Fahrtrichtung kommt es dagegen zu einer Beschleunigung. Dem in die Einbahnstrasse fahrenden Kraftfahrer muss angezeigt werden, dass Radverkehr entgegenkommt. Am besten eignen sich dafuer baulich getrennte Ein- und Ausfahrten fuer den Radverkehr. Weiters soll auch durch eine Bodenmarkierung das Radfahren gegen die Einbahn kenntlich gemacht werden. Strassen mit dem Vorschriftszeichen "Einfahrt verboten" ohne Hinweiszeichen "Einbahnstrasse" koennen fuer Radfahrer durch das Anbringen einer Zusatztafel "Ausgenommen Radfahrer" geoeffnet werden. Eine schnell realisierbare Loesung ist ein Radstreifen entgegen die Einbahnrichtung. Zur Gesamtaufnahme siehe ITRD-Nummer D346368. (KfV/A)

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01189118
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • ISBN: 3-7070-0044-3
  • Files: ITRD
  • Created Date: Oct 7 2010 1:28PM