Alkoholstandard fuer die Lane Change Task? - Wirkung von Alkohol auf die Leistung der Fahrer

Die Lane-Change-Task (LCT) wird als Standard zur Messung der Ablenkungswirkung von Assistenz- und Informationssystemen im Auto eingesetzt. Mit diesem Test lassen sich sehr gut verschiedene Systeme im Hinblick auf das Ausmass der Ablenkungswirkungen vergleichen. Schwierig ist es bisher, eine absolute Grenze festzulegen: ab welcher Leistungsbeeintraechtigung ist von einer Gefaehrdung der Verkehrssicherheit auszugehen? Als Beitrag zur Beantwortung dieser Frage wird versucht, die Alkoholwirkung auf die LCT zum Vergleich heranzuziehen. Fuer Alkohol ist mit einer Vielzahl von experimentellen und Risikostudien belegt, dass ab 0,5 Promille deutliche verkehrsrelevante Leistungsbeeintraechtigungen vorliegen, die sich bei hoeherer Alkoholisierung exponentiell vergroessern. Wenn sich bei 0,5 Promille entsprechend deutliche Leistungsbeeintraechtigungen in der LCT zeigen wuerden, koennte dies fuer eine Grenzwertdefinition bei der LCT genutzt werden. In der vorliegenden Untersuchung fuehrten 24 Fahrer jeweils einmal mit Alkohol und Placebo mehrfach die LCT durch, wobei im Mittelwert eine maximale Blutalkoholkonzentration (BAK) von 0,8 Promille erreicht wurde. Die Auswertung des Fahrverhaltens zeigt zwar eine signifikante Veraenderung der Leistung in der LCT unter Alkohol, die aber vom Ausmass her deutlich geringer ist als die Leistungsbeeintraechtigungen durch unterschiedliche Nebenaufgaben. Erklaerbar ist dies durch das Wirkprofil von Alkohol, der nicht so sehr die Wahrnehmung und Interpretation von Informationen beeintraechtigt, sondern eher komplexere Prozesse der Informationsverarbeitung und Handlungsplanung stoert. Weiter wird die LCT als hoch geuebte Aufgabe von den Fahrern weitgehend automatisiert durchgefuehrt und es ist gut belegt, dass die Alkoholwirkung bei automatisierten Handlungen deutlich geringer ist als bei kontrollierten. Die Alkoholwirkung bei der LCT liefert damit keinen Anhaltspunkt fuer die Festlegung eines Gefahrengrenzwerts. Die Ergebnisse weisen vielmehr darauf hin, dass die LCT bestimmte leistungsbeeintraechtigende Wirkungen im Bereich der Handlungsplanung und Ausfuehrung nicht abbilden kann, sodass eine gute Leistung in der LCT nur dann als Hinweis auf sichere Bedienbarkeit gewertet werden kann, wenn Wirkungen in diesen Bereichen auszuschliessen sind. (A) Beitrag zum Themenbereich "Mensch-Maschine-Schnittstelle" der 24. VDI/VW-Gemeinschaftstagung "Integrierte Sicherheit und Fahrerassistenzsysteme", Wolfsburg, 29. und 30. Oktober 2008. Siehe auch Gesamtaufnahme der Tagung, ITRD-Nummer D364581.

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 253-61
  • Serial:
    • VDI-Berichte
    • Issue Number: 2048
    • Publisher: VDI Verlag GmbH
    • ISSN: 0083-5560

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01148669
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Jan 25 2010 8:29AM