Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts

Der Autor hat in seiner Bachelor-Arbeit auf Basis einer Literaturanalyse und Berechnungen zur Verkehrsunfall(folgen-)entwicklung untersucht, ob Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts sinnvoll, notwendig und gegebenenfalls in welcher Ausgestaltung umsetzbar ist. Anhand einer Detailanalyse von Verkehrsunfällen in Deutschland mithilfe von Daten der German-In-Depth Accident Study (GIDAS) wurde nachvollzogen, wie sich kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderungen auf Gesamtverletzungsschweren auswirken. So sinkt bei einer Absenkung von 50 km/h auf 30 km/h bei Pkw-Pkw-Kollisionen die Wahrscheinlichkeit für schwere Insassenverletzungen (Verletzungsgrad MAIS 3+) von über 60 auf circa 30 Prozent. Bei Pkw-Radfahrer-Kollisionen sinkt die Wahrscheinlichkeit für schwere Radfahrerverletzungen von 85 auf circa 65 Prozent und bei Pkw-Fußgänger-Kollisionen die Wahrscheinlichkeit für schwere Fußgängerverletzungen von über 80 auf circa 40 Prozent. Anhand der "Power Models" konnte berechnet werden, wie sich das Verletzungsrisiko bei verschiedenen Kollisionsgeschwindigkeiten ändert. Basis war eine Metanalyse von 98 Studien mit über 460 Einschätzungen zu Geschwindigkeitsänderungen auf die Unfallschwere. Auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen erhöht sich bei einer Geschwindigkeitsänderung von 30 auf 50 km/h das Risiko für leichte Verletzungen um weniger als das Zweifache, für tödliche Verletzungen jedoch um mehr als das Sechsfache. Bei Wohnstraßen steigt dieses Risiko sogar auf das Dreifache beziehungsweise auf fast das Zwölffache an. Es zeigt sich, dass die Absenkung der innerörtlichen Geschwindigkeit entscheidenden Einfluß auf die Unfallfolgen, insbesondere das Überleben von ungeschützten Verkehrsteilnehmern hat. Die Leistungsfähigkeit der Innerortsstraßen wird hingegen kaum tangiert, da diese von der Gestaltung der Knotenpunkte abhängt. Der gesamte Reisezeitverlust sei marginal. Es wird dafür plädiert, künftig Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts anzusetzen und streckenbezogen zu prüfen, ob ausnahmsweise davon abgesehen werden sollte. Ein Vorrangstraßennetz mit Tempo 50 innerorts könne in Betracht kommen bei besonders ausgebauten Straßen. Es ergäben sich neue Möglichkeiten für die Integration von ungeschützten Verkehrsteilnehmern in den Straßenraum. Nötig sind Modellversuche, um die positiven Ergebnisse abzusichern.

Language

  • German

Media Info

  • Media Type: Print
  • Features: References;
  • Pagination: pp 209-16
  • Serial:
    • Verkehrsdienst
    • Volume: 64
    • Issue Number: 8
    • Publisher: Verlag Heinrich Vogel, Springer Fachmedien München GmbH
    • ISSN: 0341-4388

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01715906
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Aug 30 2019 8:09AM