Straßenplanung und -bau in Deutschland - umweltvertraeglich moeglich?

Fuer Planung, Entwurf, Bau und Betrieb von Strassen existieren in Deutschland zahlreiche Vorgaben in Richtlinien, Gesetzen etc. Der ueberwiegende Teil dieser Vorgaben werden durch die Forschungsgesellschaft fuer Strassen- und Verkehrswesen e.V. (FGSV) erstellt. Die FGSV ist ein gemeinnuetziger technisch-wissenschaftlicher Verein, der Fachwissen aus Verwaltungen, Wirtschaft und Wissenschaft buendelt. Seine Gremien zeichnen in den Bereichen Strassenbau, Strassenverkehrstechnik und Verkehrsplanung fuer die Aufstellung und Fortschreibung des Technischen Regelwerks verantwortlich, das den so genannten „Stand der Technik" und damit unter anderem die Beurteilungsgrundlage bei gerichtlichen Streitfaellen bildet. Es wird festgestellt, dass die Entwicklung hin zu einem Verein mit ueber 60 Arbeitsausschuessen, der das gesamte Verkehrswesen widerspiegelt, zu wuerdigen sei. Allerdings bestimmten Fragestellungen des Kfz-Verkehrs bis heute massgeblich die Ausrichtung des Verbands. Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, ob und inwieweit einschlaegige Regelwerke und Vorschriften zu sehr im Hinblick auf den Kraftfahrzeugverkehr und zu wenig im Hinblick auf die Umweltvertraeglichkeit erarbeitet werden, was vorrangig Ausserorts-, aber auch Innerortsstrassen betrifft. Damit hat sich eine Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion der Gruenen beschaeftigt, aus der Auszuege zusammengestellt sind. Nicht betrachtet wird, ob beziehungsweise wie stark Lobbyisten Einfluss auf die Ausrichtung von Richtlinien oder ihre (Nicht-)Ueberarbeitung nehmen. Wichtige Regelwerke und Bestimmungen werden kurz beschrieben und ihr Einfluss auf Bau und Dimensionierung von Strassenverkehrsanlagen unter Beruecksichtigung der Ergebnisse der Studie dargestellt. Eingegangen wird auf die Richtlinien fuer die integrierte Netzgestaltung (RIN), die Empfehlungen fuer Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen an Strassen (EWS), die Richtlinien fuer die Anlage von Autobahnen beziehungsweise von Landstrassen (RAA und RAL) sowie den verkehrlichen Laermschutz. In der Studie wird kritisiert, dass zahlreiche Richtlinien zwar von ihren Moeglichkeiten, nicht aber in den zeitoekonomischen Zwaengen des Anwenderalltags den Herausforderungen an eine oekologische, oekonomische und sozial gerechte Mobilitaet entsprechen. Richtlinienaufbau einerseits und die Begruendungsproblematik bei der Abweichung von Vorgaben andererseits wuerden teure Fernstrassenbauvorhaben mit grossen Regelquerschnitten fuer eine bestmoegliche Qualitaetsstufe des Verkehrsablaufs aufgrund (zu) hoher prognostizierter Verkehrsbelastungen praejudizieren. Als Ausblick werden vier Handlungsansaetze zur Optimierung des aktuellen Reglements formuliert, die auf eine Weiterentwicklung der Richtlinien, die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen fuer eine zukunftsorientierte Verkehrsplanung, die staerkere Nutzung von Handlungsspielraeumen sowie ein Monitoring im Rahmen des Planungsprozesses abzielen.

Language

  • German

Media Info

  • Media Type: Print
  • Features: References;
  • Pagination: pp 27-32
  • Serial:
    • Verkehrszeichen
    • Volume: 30
    • Issue Number: 2
    • Publisher: VZ Dr. Kalwitzki
    • ISSN: 0179-535X

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01537308
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Sep 9 2014 4:45AM