Rutschhaenge an der Gerlos Strasse / Sliding slopes on the Gerlos Strasse

Die Gerlos Strasse B 165 ueber den Gerlos Pass verbindet die beiden oesterreichischen Bundeslaender Salzburg und Tirol. Schon seit ihrer Entstehung im Mittelalter kommt es bei dieser Passstrasse haeufig zu Rutschungen und Murenabgaengen. Auf Salzburger Gebiet ereigneten sich alleine in den letzten sechs Jahren vier Rutschungen, die die Strasse zumeist vollstaendig in die Tiefe rissen oder sie doch schwer beschaedigten und daher aufwendige Instandsetzungsmassnahmen erforderten. Trotz vertiefter geotechnischer Untersuchungen und danach erstellter Sicherheitskonstruktionen waren die getroffenen Massnahmen nicht hinreichend dauerhaft. Der Gerlos Pass liegt geologisch im Gebiet der Salzach-Stoerung, in der es an vielen Orten Rutschhaenge gibt. Das geologische Modell der Rutschhaenge an der Gerlos Strasse bei Kilometer 27,6 zeigt, dass die Hangbewegungen aus dem Zusammenwirken der wasserstauenden Gleithorizonte und den darauf auflagernden, sehr wasserempfindlichen Sedimentlagen entstehen. Die Oberkante der anstehenden Grundmoraene dient dabei den Rutschmassen als Gleitbahn. Nachdem wesentliche Baugrundbewegungen an einem Stromgittermast der Leitungstrasse bei Zell am Ziller festgestellt wurden, erarbeitete man auch fuer die dort gegebene Situation ein geologischen Modell. Prinzipiell gleicht der geologische Aufbau in diesem Bereich dem bei km 27,6 der Gerlos Strasse, sodass auch hier Hangwasserfuehrungen eine mobilisierende Rolle bei den Rutschungen spielen. Im Bereich der Strasse kam es im Fruehjahr 2013 bei km 27,0 zu einer Rutschung mit teilweiser Zerstoerung der Fahrbahn. Der Unterhang loeste sich dabei ploetzlich ab und die Erdmassen flossen murenartig bis zur Salzach. Zur Untersuchung der Wirkungsweise und Eignung von Sicherungsmassnahmen wurden numerische Untersuchungen durchgefuehrt. Im Bereich des Streckenkilometers 27,6 besteht die Sicherungsmassnahme aus einer etwa 10 Meter hohen, circa 50 Meter langen Raumgitterwand, die in der Grundmoraene gegruendet ist. Am Strommast erfolgte die Hangsicherung mit Lisenen, Ankern und Ankerplatten. Ausserdem verband man die Mastfundamente mit Stahlbetonriegeln. Bei Kilometer 27,0 zeigten die geotechnischen Untersuchungen, dass unter Ausserachtlassung des Hangwasserspiegels (trockene Berechnung) gerade noch eine rechnerische globale Sicherheit von 1,01 gegeben ist. Tritt Hangwasser hinzu, entsteht ein tiefgreifendes Versagen mit der Ausbildung von "rollenden" Gleitflaechen, die auf einen numerisch bereits instabilen Zustand hinweisen. Es handelt sich damit um einen Rutschhang mit tiefliegender Gleitflaeche. Alle untersuchten Sicherungsmassnahmen liefern hier keine hinreichende Stabilitaet des Hanges. Eine dauerhaft und wirksame Vermeidung der Rutschung ist nur durch eine vollstaendige und tiefgruendige Entwaesserung des gesamten Hanges zu erreichen. Welche Massnahmen endgueltig vorgenommen werden, ist noch festzulegen. ABSTRACT IN ENGLISH: Ever since being built in the middle ages, the Gerlos Strasse has been affected by slope sides and wild torrents, resulting in an almost continuous history of rebuilding and repairs with correspondingly high costs. The route is in the immediate vicinity of the Salzach Fault, one of the most significant fault zones on the eastern Alps, and the enormous forces that formed the mountains can be seen in action, together with the destructive erosion processes with their natural tendency to reduce the angle of the slope. Three individual events are described in order to illustrate the heterogeneous geological conditions, and the selected repair and protection measures for the infrastructure are briefly described. It appears that even with the geotechnical measures available today, an end to the permanent cycle of repair is still barely conceivable. (A)

Language

  • German
  • English

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01532632
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Jul 31 2014 10:07AM