Orthotrope Platten im Stahlbrueckenbau. Karl Schaechterle - Wegbereiter einer innovativen Bauweise im Stahlbrueckenbau

Der Beitrag kommentiert einen 80 Jahre alten technischen Aufsatz von Karl Schaechterle ueber neue Fahrbahnkonstruktionen fuer staehlerne Fahrbahnplatten. Der Aufsatz von Schaechterle ist auf den Seiten 149-56 nachgedruckt. Eingegangen wird auf den Menschen Karl Schaechterle, der als voll und ganz dem Brueckenbau verpflichteter Ingenieur bezeichnet wird, seinen beruflichen Werdegang und die Entwicklung leichter Stahlfahrbahntafeln. Seine stetig verlaufende Karriere begann in der Generaldirektion der Wuerttembergischen Eisenbahnen in Stuttgart, in der er als Dezernent fuer Bruecken-, Ingenieur-, Hoch- und Tunnelbau wirkte. 1935 folgte er einem Ruf in das Reichsverkehrsministerium in Berlin, in dem er unter anderem zusammen mit Paul Bonatz arbeitete. Zu seinen Taetigkeiten gehoerte auch, Brueckenentwuerfe zu beraten und hinsichtlich der Gestaltung zu beeinflussen. In seinem Aufsatz "Neue Fahrbahnkonstruktionen fuer staehlerne Bruecken" laesst sich Schaechterle zunaechst auf die gebraeuchlichen Aufbauten staehlerner Bruecken ein. Dabei verdeutlicht er sein Bestreben, die Gewichte der Fahrbahnkonstruktionen drastisch zu verringern. Unter den damals geltenden Randbedingungen eine verstaendliche Vorgehensweise. Mit Themen wie Laermemissionen, Dauerfestigkeit, Schwingungsempfindlichkeit, Abdichtung und Korrosionsschutz mussten sich die damaligen Ingenieure nicht belasten. Ein erstes Beispiel fuer eine staehlerne Leichtfahrbahn ist die von Fritz Leonhardt geplante Feldwegueberfuehrung bei Jungingen ueber die Autobahn Stuttgart - Ulm. In der Folge wurden weitere leichte Fahrbahntypen entwickelt. Aus heutiger Sicht betrieben die Akteure Ingenieurtaetigkeiten der reinsten Form, ohne durch uebermaessige Vorschriften belastet zu werden. Durch die Aufbruchstimmung nach dem Krieg wurden aus wirtschaftlichen Gruenden Bruecken schnell und materialsparend geplant und gebaut, ohne auf Robustheit und Nachhaltigkeit zu achten. Dies wirkte sich ganz besonders auf die materialsparende Bauweise von staehlernen Fahrbahnplatten aus. Die Entwicklung wurde durch die parallel verlaufende Erarbeitung von Berechnungsmethoden fuer solche Tragwerke gefoerdert. Herausragend sind dabei die Arbeiten von Leonhardt und Andrae sowie Homberg, die an der Erstveroeffentlichung handhabbarer Tabellenwerke fuer die statische Berechnung dieser Tragwerke, die damals noch "Kreuzwerke" genannt wurden, arbeiteten. 1952 erweiterte Homberg die Berechnungstheorie fuer "Kreuzwerke" zur Theorie der "Plattenkreuzwerke". Die Konstruktion und Berechnung der Plattenkreuzwerke entspricht im Wesentlichen bereits der orthotropen Platte. Der Namensgeber dieser Bauweise ist moeglicherweise Cornelius, der 1952 die Theorie der orthogonal-anisotropen Platte veroeffentlichte. Die Erarbeitung weiterer Grundlagen fuer die praxisorientierte Anwendung ist verbunden mit den Namen Giencke, Pelikan, Esslinger sowie Gauger und Oxfort. Parallel zur Entwicklung der theoretischen Grundlagen vollzog sich die Entwicklung einer angepassten Fertigungs- und Schweisstechnik und eine Optimierung der Querschnittsgeometrie. Karl Schaechterles Beitrag zu der Entwicklung orthotroper Platten war es, das Potenzial dieser Bauweise erkannt zu haben und der neuen Bauweise den Weg zu bereiten.

  • Authors:
    • SEILER, J
    • SCHAECHTERLE, K
  • Publication Date: 2014-2

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 145-56
  • Serial:
    • Bautechnik
    • Volume: 91
    • Issue Number: 2
    • Publisher: Ernst (Wilhelm) and Sohn

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01525453
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: May 27 2014 4:56PM