Verkehrsgefaehrdung durch krankheitsbedingte Maengel an Fahreignung und Fahrsicherheit - Welches Risiko akzeptiert die Rechtsordnung? - Koerperliche und geistige Einschraenkungen - Altersbedingte Erkrankungen - Arbeitskreis III

Der Arbeitskreis III (Leitung: Hassemer,W) des 50. Deutschen Verkehrsgerichtstags 2012 hat folgende Empfehlungen abgegeben: 1. Der Arbeitskreis begruesst das Positionspapier der Deutschen Gesellschaft fuer Kardiologie (DGK), das eine differenzierte Betrachtung der einzelnen kardiologischen Erkrankungen und ihrer Bedeutung fuer die Unfallrisiken und die Fahreignung ermoeglicht. Die DGK hat sich der „risk of harm formula“ bedient, in der „Zeit am Steuer“, „Art des Fahrzeugs“, „Wahrscheinlichkeit eines ploetzlichen Kontrollverlustes“ fuer die Risikoberechnung die wichtigsten Parameter sind. Ein solches Positionspapier kann zwar eine individuelle Beurteilung der Fahreignung nicht ersetzen, fuehrt aber zu einer groesseren Plausibilitaet und Nachvollziehbarkeit der Risikoabschaetzung. 2. Der Arbeitskreis fordert auch fuer die uebrigen verkehrsrelevanten Erkrankungen eine differenzierte und wissenschaftliche Untersuchung der Risiken in Zusammenarbeit mit den medizinischen Fachgesellschaften. Darueber hinaus sind weitere Forschungen zur Haeufigkeit von Unfaellen aufgrund krankheitsbedingter Einschraenkungen der Fahreignung erforderlich. 3. Die Regelungen der Anlage 4 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) zu krankheitsbedingter Einschraenkung der Fahreignung muessen konkretisiert werden. Die rechtliche Verbindlichkeit der Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahreignung muss geklaert werden. Diese Leitlinien muessen haeufiger und differenzierter ueberarbeitet werden, da das medizinische, toxikologische und psychologische Wissen und die Terminologie einer schnellen Veraenderung unterliegen. 4. Der Arbeitskreis fordert ein genaueres Anforderungsprofil fuer die in Paragraf 11 Absatz 2 Satz 3 FeV genannten aerztlichen Gutachter. Die verkehrsmedizinische Ausbildung muss umfassender und auf die jeweilige fachspezifische Qualifikation des Arztes abgestimmt sein. Die Fortbildung der Gutachter muss verpflichtend sein. 5. Zahl und Ergebnisse der aerztlichen Gutachten zu den krankheitsbedingten Einschraenkungen der Fahreignung sollten statistisch erfasst werden. Die Qualitaet der aerztlichen Gutachten sollte anhand einer Stichprobe ueberprueft werden, damit Vorschlaege fuer eine Verbesserung der Begutachtung gemacht werden koennen. Ein Gutachten kann auch dann qualifiziert sein, wenn der Sachverstaendige nicht entscheidbare Faelle auch ausdruecklich so einstuft. 6. Ueber die bereits vom Verkehrsgerichtstag 2005 getroffene Feststellung hinaus, dass der behandelnde Arzt in Extremfaellen nicht an die aerztliche Schweigepflicht gebunden ist, befuerwortet der Arbeitskreis in Faellen akuter Gefahr ein Recht des Arztes, einen uneinsichtigen oder unverstaendigen Patienten, der krankheitsbedingt aus seiner Sicht nicht fahrtuechtig ist, der Polizei zu melden. (A)

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  • Corporate Authors:

    DEUTSCHER VERKEHRSGERICHTSTAG - DEUTSCHE AKADEMIE FUER VERKEHRSWISSENSCHAFT - E.V.

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  • Authors:
    • Dauer, P
    • Klein, H H
    • Mattern, R
    • De Vries, H
  • Publication Date: 2012

Language

  • German

Media Info

  • Media Type: Print
  • Features: References;
  • Pagination: pp 83-117
  • Monograph Title: 50. Deutscher Verkehrsgerichtstag 2012

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01497142
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • ISBN: 978-3-472-08392-4
  • Files: ITRD
  • Created Date: Sep 13 2013 7:59AM