90 Jahre Brueckenmesswesen bei der Eisenbahn in Deutschland

Es wird ein kurzgefasster Ueberblick zu 90 Jahren Brueckenmesswesen bei der Eisenbahn in Deutschland gegeben. Angefangen hat alles mit der Einrichtung des Sachgebiets "Brueckenmesswesen" beim damaligen Eisenbahn-Zentralamt in Berlin im Jahre 1923. Seitdem hat sich vieles geaendert, nicht jedoch die urspruengliche Zielsetzung, messtechnisch basierte Aussagen ueber die Tragfaehigkeit und Ermuedungssicherheit von Eisenbahnbruecken zu gewinnen. Der Brueckenmesszug der Deutschen Reichsbahn ermoeglichte bereits dynamische Messungen fuer 16 Messpunkte, die allerdings noch von Hand ausgelesen und weiterverarbeitet werden mussten. Heute ist der "Bereich Brueckenmessung und -bewertung" der DB Netz AG fuer Messungen an den ueber 25.000 Eisenbahnbruecken im Bestand zustaendig. Die Weiterentwicklung der Messtechnik ermoeglicht durch moderne Verstaerkertechnik die zeitgleiche Messung von ungleich mehr Messpunkten als mit dem Brueckenmesszug und die Computertechnologie liefert Ergebnisse in Echtzeit. Gemessen werden in der Regel Wege, Geschwindigkeiten, Beschleunigungen, Dehnungen und Stauchungen, Temperaturen, Kraefte und Winkel sowie Frequenzen und Daempfungen. Bei den Anwendungen werden Kurzzeitmessungen und Langzeitmessungen unterschieden. Als Beispiele fuer Kurzzeitmessungen wird auf Messungen im Rahmen von Probebelastungen an Eisenbahnbruecken, Systemmessungen an aelteren komplexen Brueckenbauwerken und auf messtechnische Bauwerksuntersuchungen im Rahmen von besonderen Messungen, zum Beispiel zur Abklaerung der Auswirkungen von Aenderungen der Einwirkungen eingegangen. Langzeitmessungen erfolgen im Sinne einer langfristigen Bauwerksueberwachung (Monitoring) bei Bauwerksveraenderungen, die zu Schaeden fuehren koennten oder auch zur Ermittlung statisch relevanter Daten. Drei Beispiele an bestehenden Bauwerken erlaeutern die Anwendung von Langzeitmessungen. Am Netzwerkbogen und am Nebentragwerk der Fehmarnsundbruecke wurden Dehnungsmessungen und Temperaturgaenge unter Verkehr durch Strassen- und Eisenbahnverkehr gemessen. Die Messergebnisse dienten als Grundlage fuer eine realistische Beurteilung des Bauwerkszustands. An der Eisenbahnhochbruecke ueber den Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg fuehrte man messtechnisch begleitete Bremsversuche durch. Ziel war es festzustellen, ob hoehere Bremslasten (als den damaligen Berechnungen zugrunde gelegt wurden) aufgenommen werden koennen. Die Aufnahme hoeherer Bremslasten liess sich nachweisen, da mehrere Fachwerkpfeiler an der Aufnahme der Bremslast beteiligt sind. Wegen schlechter Erfahrungen mit der alten Klappbruecke ueber den Ziegelgraben in Stralsund wird die neue bewegliche Eisenbahnbruecke, beginnend bereits beim Bau, systematisch messtechnisch ueberwacht. Jedes Oeffnen und Schliessen der Klappbruecke wird messtechnisch erfasst. Durch einen Vergleich mit definierten Grenzwerten der Messgroessen lassen sich Veraenderungen bis hin zu kritischen Situationen rechtzeitig erkennen, sodass sofort reagiert werden kann. Rueckblickend ueber 90 Jahre Brueckenmesstechnik bei der Eisenbahn laesst sich unter anderem feststellen, dass viele Ergebnisse von Brueckenmessungen in die Regelwerke eingingen und zur Verbesserung der Brueckentragwerke beitrugen.

  • Authors:
    • FRIEBE, U
    • GOMMOLA, G
  • Publication Date: 2013-7

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01492681
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Sep 11 2013 10:46AM