Ungeliebte Pyramiden der Moderne

Autobahnen sind Symbole des Fortschritts - andererseits aber ungeliebte Zweckbauten mit oft zweifelhafter Aesthetik und schwieriger politischer Geschichte. Der Denkmalschutz hat dabei kaum eine Chance. Von den alten Anlagen blieben nur wenige Relikte erhalten. Auch als verbindendes Element fuer die Nation sowie als aesthetisches Erlebnis in deutscher Landschaft waren die "schwingenden Bahnen" fuer die Nazis wichtig. Die meistens bodenstaendig gehaltene Architektur ihrer Bauten war Teil dieses Konzepts. Die heute von dichtem Verkehr belasteten, vielfach von Laermschutzanlagen begleiteten Schneisen haben mit der einst geforderten Aesthetik nichts mehr zu tun. Sie sind Fremdkoerper in einer Landschaft, Albtraeume fuer viele Nutzer und Nachbarn. Der Denkmalwert der Autobahn wurde lange nicht erkannt, stand spaeter nur noch den Ausbauten im Weg. So waren nach der deutschen Vereinigung an den ostdeutschen Trassen noch viele Anlagen original erhalten geblieben, wurden aber meistens in den 1990er Jahren geschleift. So stark Mythos und offenbar auch Faszination der Reichsautobahn noch immer sind, so sehr wird diese doch in erster Linie als profaner Verkehrsweg angesehen und damit verkannt, wirbt der Journalist Jan Gympel fuer diesen Verkehrsweg. Das wenige, was von der historischen Autobahn noch uebrig ist, sei ein erstrangiges Denkmal und Zeugnis faer den Geist des Dritten Reiches. Kurios wirkt in diesem Zusammenhang die 1937 eingeweihte Tankstelle an der Anschlussstelle Fuerstenwalde-West der Autobahn 12 (Berlin-Frankfurt/Oder). Nach langem Hin und Her blieb der sanierte Bau ohne Zapfsaeulen als funktionslose Architekturskulptur erhalten. (A)

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  • German

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  • Accession Number: 01490439
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Aug 21 2013 10:42AM