STUETZENSENKUNG BEI SPANNBETONBRUECKEN (HOELLGRABENBRUECKE)

Ziel der Untersuchungen an der zum Abbruch bestimmten Hoellgrabenbruecke war vor allem, die Auswirkungen einer Widerlagerverschiebung (Hebung und Wiederabsenkung) an einer grossen Spannbetonbruecke in allen Phasen zu beobachten und aus dem Verformungs- und Rissverhalten Erkenntnisse zu gewinnen, die fuer das Bewerten und Beheben von Schaeden mit aehnlichen Ursachen herangezogen werden koennen. Bei den nur im bescheidenen Umfang durchgefuehrten Schwingungsuntersuchungen konnten vor und nach der Widerlagerverschiebung vier beziehungsweise drei Biegeeigenfrequenzen des Tragwerkes angeregt und gemessen werden. Eine mit der oertlich begrenzten Rissbildung zusammenhaengende Abminderung der Biegesteifigkeit konnte dabei allerdings nicht erfasst werden. Die waehrend der Hebung und Wiederabsenkung des Tragwerkes gemessenen Verformungen, wie Neigungs- und Rissweitenaenderungen und Verschiebungen, konnten mit einer fuer die weitere Beurteilung ausreichenden Genauigkeit erfasst werden; die fuer die einzelnen Hebungsstufen registrierten Kraefte weisen hingegen nicht quantifizierbare Unsicherheiten auf. Die Auswirkungen einzelner Hebungsstufen der Widerlagerverschiebung auf die Spannungen in der Bodenplatte wurden durch eine Verknuepfung von elastisch gerechneten Spannungen mit aus Versuchsergebnissen abgeleiteten Faktoren bestimmt. Auf diese Weise konnten die durch die oertliche Rissbildung hervorgerufene Unstetigkeit der elastischen Biegelinie und die damit zusammenhaengende Schnittkraftumlagerung naeherungsweise beruecksichtigt werden. Die damit berechneten Spannungen stehen im Einklang mit den aufgetretenen Rissen. Die untersuchte Widerlagerhebung entspricht einer Stuetzsenkung fuer ein Endfeld einer durchlaufenden Bruecke. Die durch die grosse Zwangsverformung hervorgerufenen Zugspannungen fuehrten in sonst weitgehend unter Druckspannungen stehenden Bereichen zu Rissen beziehungsweise zu Beanspruchungen der schlaffen Bewehrung bis in den Bereich der Streckgrenze. Wie die Messergebnisse zeigen, haben sich die Risse mit dem Absenken des Tragwerkes auf das urspruengliche Niveau wieder weitgehend geschlossen. Dies wird auch durch die unter Verkehrslasten von etwa 350 kN (dreiachsiger LKW) gemessenen Rissweitenaenderungen (ca. plus-minus 0,001 mm) dokumentiert. Eine Sanierung des durch die beschriebene Widerlagerhebung hervorgerufenen Schadens koennte durch ein Verpressen der Risse mit einem Reaktionsharz vor dem Wiederabsenken und durch ein Ersetzen der wahrscheinlich teilweise geflossenen schlaffen Bewehrung durch Stahlbetonlaschen oder aufgeklebte Stahlbleche erfolgen.