MIT VOLLGAS IN DIE SACKGASSE? AKTUELLE TENDENZEN DER VERKEHRSPLANUNG UND STADTENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND-OST UNTER MARKTWIRTSCHAFTLICHEN BEDINGUNGEN

Ein positiver Nebeneffekt der ineffizienten und dirigistischen Wirtschaftspolitik der DDR war eine in ihren Auswirkungen als oekologisch zu bezeichnende Verkehrsentwicklung. Insgesamt ergeben sich aus der vorgefundenen Situation guenstige Ausgangsbedingungen fuer eine gesunde und ausgewogene Stadt- und Siedlungsentwicklung, so dass beste Voraussetzungen bestehen, die negativen Auswirkungen der stattgefundenen Suburbanisierungen in den alten Bundeslaendern zu vermeiden. Die gegenwaertige allgemeine Situation zeichnet sich jedoch dahingehend aus, dass mitunter mangelnde fachliche Erfahrung von Planungsinstitutionen und ein unausgepraegtes Rollenverstaendnis der Wirtschaftsfoerderer die Durchsetzung verschiedener stadt-, raum- und verkehrsplanerischer Grundsaetze erschweren. Bei der Verkehrsentwicklung zeigt sich aufgrund der extremen Motorisierungszunahme eine Zunahme der PKW-Fahrten und die Abnahme der OEPNV-Benutzung um 15 Prozent gegenueber 1989 mit weiter fallender Tendenz. PKW-Fahrten im Berufsverkehr werden weiter zunehmen, wobei die Reisezeitvorteile gegenueber dem OEPNV durch damit zunehmende Netzueberlastungen und Dauerstaus weiterhin sinken werden. Neu fuer das Gebiet Deutschland-Ost ist der Fern-Berufsverkehr, der aus den deutsch-deutschen Pendlerbeziehungen resultiert. Im staedtischen Tagesverkehr haben die Ansiedlung von Verbrauchermaerkten und aehnlichen Einrichtungen, meist in randstaedtischen Lagen, zu einer Zunahme der PKW-Nutzung gefuehrt. Um ernste Schaeden bei der Stadt- und Raumentwicklung zu vermeiden wird gefordert, die Entwicklung und den Ausbau von Handel, Gewerbe, Industrie und Wohnen so lange und intensiv wie moeglich im Rahmen einer Innenentwicklung zu betreiben. Als Ausgangspunkte der staedtebaulich-raeumlichen Verdichtung sollten OEPNV-Trassen behandelt werden. Verkehrserzeugende und ansiedlungsfoerdernde Effekte des Strassenbaus muessten bei Entscheidungsfindungen mitberuecksichtigt werden. Trotz noch bestehender bester Voraussetzungen fuer eine umweltvertraegliche Verkehrspolitik zeichnen sich grosse Gefahren ab, dass nach bekanntem Muster autoorientierte Stadtzersiedelung anstelle von Stadtentwicklung stattfindet, wenn es nicht gelingt, die negativen Seiten der Marktwirtschaft, vor allem das Element der Auto-Mobilitaet in den Griff zu bekommen. (Siehe auch IDS-Nr. 331453). (KfV/H)

  • Corporate Authors:

    INSTITUT FUER STRASSENBAU UND VERKEHRSWESEN DER TU GRAZ

    ,    

    INSTITUT FUER EISENBAHNWESEN DER TU GRAZ

    ,    
  • Authors:
    • HUNGER, D
  • Publication Date: 1991

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01250774
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Nov 20 2010 5:33AM