GRUNDSAETZE FUER DIE OPERATIONALISIERUNG DES LANDSCHAFTSBILDES IN DER EINGRIFFSREGELUNG UND IM NATURSCHUTZHANDELN INSGESAMT

Fuer das Schutzgut "Landschaftsbild" - im Sinne der Eingriffsregelung gleichgewichtig mit dem Schutzgut "Naturhaushalt" - besteht auch heute noch keine Uebereinstimmung ueber wertbestimmende Kriterien. Es werden Grundsaetze dargelegt, die in "Empfehlungen" der Naturschutzanstalten Verbreiterung finden sollen. Flaechenhafte lineare und punktuelle Bauvorhaben greifen mehr oder minder veraendernd in das sinnlich wahrnehmbare Landschaftsbild ein durch Beseitigung oder Ueberformung naturraumtypischer Erscheinungen. Naturraumtypisch ist dabei nicht (nur) das urwuechsig natuerliche, sondern auch das anthropogen beeinflusste, historisch gewachsene Erscheinungsbild. Vorbelastungen frueherer deutlicher Verfremdung des Landschaftsbildes sind dabei auszuklammern. Der Schutzgutauftrag des Gesetzes gilt nicht der Nutzbarmachung einer Landschaft - etwa der Schaffung von Erholungseinrichtungen - sondern ihrer Bewahrung zur Erholungseignung als Teil der Daseinsvorsorge. Die Begriffe Vielfalt, Eigenart und Schoenheit werden nicht als eigenstaendige, absolute Werte verstanden, sondern in ihrer Synthese. Die Eigenart einer Landschaft kann durchaus in einer geringen Vielfaeltigkeit von Erscheinungsformen begruendet sein. Schoenheit ist nicht nach klassischen Begriffen zu messen oder subjektiv vergleichbar, sondern grundsaetzlich als Vollkommenheit der spezifischen Eigenart eines Naturraumes zu verstehen. Die Bewertung des Eingriffs muss sich daher am Grad der Abkehr oder der Aufloesung von naturraeumlicher Identitaet ausrichten. Die Erheblichkeit der Beeintraechtigung haengt beim Landschaftsbild von der Funktion des betroffenen Bestandteils im Zusammenspiel der Landschaftskomponenten ab. Dabei sind nicht nur die unmittelbaren, sondern auch moegliche Folgeveraenderungen zu betrachten. Entsprechend muessen Vermeidungsvorkehrungen getroffen oder im nichtvermeidbaren Falle Ausgleichsmassnahmen geleistet werden. Ausgeglichen werden kann einmal durch die Wiederherstellung der betroffenen Landschaftselemente, aber auch durch naturraumtypische Neugestaltung des Landschaftsbildes.

  • Authors:
    • BREUER, W
  • Publication Date: 1991

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01249125
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Nov 20 2010 4:56AM