MOEGLICHKEITEN UND GRENZEN STANDORTGEMAESSER VEGETATIONSENTWICKLUNG AUF STRASSENBEGLEITFLAECHEN UNTER DEM EINFLUSS EXTENSIVER PFLEGEMASSNAHMEN (TEIL 2)

Auf 37 Dauerversuchsflaechen wurde von 1984-1989 in typischen Landschaftsraeumen der Bundesrepublik Deutschland die Vegetationsentwicklung bei Brache und unter dem Einfluss von fuenf verschiedenen, ueberwiegend extensiven Pflegemassnahmen (maehen im Juni beziehungsweise August, mulchen im Juni beziehungsweise August, zweimal maehen im Juni und August) getestet. Zusaetzlich erfolgten umfangreiche Untersuchungen zur Charakterisierung der Naehrstoffversorgung, insbesondere der Stickstoffversorgung der Strassenrand-Vegetation (Bestimmungen der Ertraege, der Stickstoffentzuege durch die Mahd, der Stickstoff-Nettomineralisation, des Stickstoffeintrages) und beispielhaft die Analyse der Salz- und Schwermetallbelastungen des Maehgutes und des Bodens. Die Strassenrandvegetation erweist sich in Abhaengigkeit vom Standort ausreichend bis sehr gut mit Stickstoff versorgt. Eine Aushagerung (Naehrstoffverarmung) der Strassenboeschungen durch die Mahd ist bei den sehr gut naehrstoffversorgten Brennessel- und Brennessel-Glatthafer-Strassenboeschungen ausgeschlossen und auch bei den Schafschwingel- und Moehren-Glatthafer-Strassenboeschungen naehrstoffarmer beziehungweise maessig naehrstoffreicher Standorte nur ausnahmsweise und langfristig moeglich. Bei den maessig aufwuchsreichen Moehren-Glatthafer-Strassenboeschungen wirkt sich das Maehen, insbesondere bei zweimaligem Schnitt, sehr guenstig auf die Gesamtartenzahl und die Deckungsanteile niedrigwuechsiger, konkurrenzschwacher Gruenlandkraeuter aus. Demgegenueber nahm der Deckungsanteil der niedrigwuechsigen, konkurrenzschwachen Kraeuter auf den Mulchvarianten ab, weil diese Arten oft unter der sich nur langsam abbauenden Mulchdecke ersticken. Noch unguenstigere Bedingungen fuer diese Artengruppe findet man auf den Brachevarianten. Hier ging darueber hinaus sehr oft auch die Artenzahl zurueck. Auf den meist frischen Standorten der Brennessel- und Brennessel-Glatthafer-Strassenboeschungen verlaeuft die Zersetzung der Mulche sehr schnell, so dass sich auf den Mulch- und Maehvarianten aehnliche Entwicklungen zeigen. Die Unkraeuter und Ruderalarten wurden stark zurueckgedraengt und die schnittvertraeglichen Gruenlandgraeser gefoerdert. Bei Brache konnten im Gegensatz dazu Hochstauden der Stickstoff-Krautfluren ihren schon zu Versuchsbeginn hohen Deckungsanteil auf Kosten der Gruenlandarten noch weiter steigern. Die Schafschwingel-Strassenboeschungen zeigen wegen ihrer Heterogenitaet kaum gemeinsame Trends in der Vegetationsentwicklung.Die juengeren Rotschwingel-Strassenboeschungen veraendern sich noch sehr rasch und lassen sich durch die Pflege nur teilweise beeinflussen. Innerhalb von fuenf Jahren konnten durch die verschiedenen Pflegemassnahmen zum Teil beachtliche Veraenderungen im Pflanzenbestand herbeigefuehrt werden. Allerdings ist bei einer weiter fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft und des Verkehrs auch durch eine differenzierte, auf die jeweilige Lebensgemeinschaft zugeschnittene Pflege nur eine sehr begrenzte Aufwertung der Strassenraender im Sinne des Naturschutzes zu erwarten.