MOEGLICHKEITEN UND GRENZEN STANDORTGEMAESSER VEGETATIONSENTWICKLUNG AUF STRASSENBEGLEITFLAECHEN UNTER DEM EINFLUSS EXTENSIVER PFLEGEMASSNAHMEN

Auf insgesamt 40 Dauerversuchsflaechen wurden seit 1984 in typischen Landschaftsraeumen der Bundesrepublik Deutschland die Entwicklungsmoeglichkeiten der Strassenrand-Vegetation im Sinne des Arten- und Biotopschutzes unter dem Einfluss verschiedener Pflegemassnahmen untersucht. Den Schwerpunkt der Forschungsarbeit bilden gehoelzfreie Pflanzenbestaende, wo auf sieben Versuchsstreifen die Varianten 1) ortsuebliche Behandlung, 2) Brache, 3) Mulchen im Fruehsommer, 4) Maehen im Fruehsommer, 5) Maehen im Spaetsommer, 6) Mulchen im Spaetsommer und 7) Maehen im Frueh- und Spaetsommer (seit 1985) getestet wurden. Die 37 gehoelzfreien Versuchsflaechen repraesentieren alle wichtigen Strassenrand-Gesellschaften und umfassen in Bezug auf die Naehrstoffversorgung und den Wasserhaushalt ein breites Standortspektrum. Zusaetzlich wurden auch fuenf Gehoelzversuchsflaechen und zwei Heideversuchsflaechen eingerichtet, auf denen jeweils drei beziehungsweise vier Varianten untersucht wurden. Fuer jede Versuchsflaeche wurde eine umfangreiche standortkundliche Grundlagensammlung angelegt. Die Versuchsflaechen wurden einmal im Jahr vegetationskundlich aufgenommen. Die Vegetationsentwicklung im Zeitraum 1984 bis 1986 wurde beispielhaft fuer acht Versuchsflaechen ausgewertet. Aus einer grossen Zahl von Kriterien, die fuer die Bewertung herangezogen wurden, besassen die pflanzensoziologischen Artengruppen, das Graeser/Kraeuter-Verhaeltnis und der Massen-Gemeinschaftskoeffizient die groesste Aussagekraft. Veraenderungen in der Vegetation ergaben sich bisher fast ausschliesslich durch Verschiebungen der Deckungsgrade von Arten,die bereits zu Versuchsbeginn auf den Parzellen vorhanden waren. Die Neuansiedlung oder das Verschwinden von Arten waren nur ausnahmsweise zu beobachten. Staerkere Umschichtungen im Pflanzenbestand aufgrund der Pflegemassnahmen ergaben sich nur auf den Versuchsflaechen, auf denen zu Versuchsbeginn entweder nitrophile Brennessel-Strassenboeschungen oder ein Besenheide-Bestand ausgebildet waren. Die Mahd fuehrte bei den Brennessel-Gesellschaften zu einer Foerderung der Gruenlandarten, waehrend die Ruderalarten derStickstoffkrautfluren zurueckgedraengt wurden. Die Besenheide wurde durchden jaehrlichen Schnitt bereits nach zwei Jahren fast vollstaendig beseitigt. Ein durch die Mahd bedingter Naehrstoffentzug ist auf den ueberwiegend eutrophierten Strassenboeschungen bisher nicht festzustellen gewesen. Eine Aushagerung duerfte auf den meisten Flaechen auch erst nach vielen Jahren erfolgen. Das Versuchsprogramm wird seit 1987 fortgesetzt (siehe FA 2.119) und ist durch oekologische Untersuchungen zum Stickstoffhaushalt erweitert worden. Es ist zu erwarten, dass sich nach weiteren drei Jahren aus den vegetationskundlichen und oekologischen Ergebnissen der Versuche praktische Pflegevorschlaege ableiten lassen.