CHARAKTERISTIKA ALKOHOLAUFFAELLIGER KRAFTFAHRER. VERSUCH EINER TYPOLOGIE

Da verkehrsauffaellige Kraftfahrer mit steigender Anzahl ihrer Alkoholdelikte zunehmend rueckfallgefaehrdet sind und auch gegenueber bislang nicht alkoholauffaelligen Kraftfahrern in erhoehtem Ausmass die Gefahr einer weiteren Fahrt unter Alkoholeinfluss gegeben ist, bestehen erhebliche Zweifel an der Fahreignung von Alkoholfahrern. In der verkehrspsychologischen Diagnostik ist es daher wesentlich zu entscheiden, ob es sich im Einzelfall um einen typischen Alkoholauffaelligen, also um jemand mit erhoehter Rueckfallgefaehrdung handelt, oder ob er im positiven Sinne in verschiedenen Merkmalsauspraegungen von dieser Gruppe abweicht. Waehrend Testdaten zwischen Kraftfahrern ohne und Fahrern mit Alkoholvorfall nicht differenzieren, liefern biographische Daten und solche aus Verhaltensbeobachtung und -beurteilung, die allesamt im explorativen Gespraech erhoben werden, recht gute Informationen ueber unterschiedliche Charakteristika dieser Gruppen. Aussagekraeftige Merkmale finden sich insbesondere in den Bereichen "Sozialisation (Familie, Beruf, Freizeit)", "Alkoholkonsumgewohnheiten", "Verhalten im Explorationsgespraech" und "koerperliche Zeichen in bezug auf Alkoholkonsum". Explorationsdaten scheinen also im Hinblick auf die Beurteilung der Fahreignung von alkoholauffaelligen Kraftfahrern sehr bedeutsam zu sein. Innerhalb der Gruppe der Trunkenheitsfahrer lassen sich durch die Analyse ihrer Persoenlichkeitswerte fuenf Subtypen finden, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Es handelt sich um die Subtypen der "Aengstlichen", der "Expressiven mit auffaelligen verkehrsspezifischen Einstellungen", der "Risikobereiten mit sozialer Aengstlichkeit", der "Unauffaelligen" sowie der "sozial Aengstlichen mit auffaelligen verkehrsspezifischen Einstellungen". Diese unterschiedlichen Gruppen von Alkoholfahrern, die allesamt - verglichen mit bislang nicht alkoholauffaelligen Kraftfahrern - erhoeht rueckfallgefaehrdet sind, weisen typische Testprofile auf und sind auch durch einige Explorationsdaten charakterisiert. In der Klaerung der Frage, ob eine Einzelperson zur rueckfallgefaehrdeten Gruppe typischer Trunkenheitstaeter gehoert, ist die Beruecksichtigung der Existenz dieser Subtypen von wesentlicher Bedeutung, da alkoholauffaellige Kraftfahrer hinsichtlich ihrer Persoenlichkeitsstruktur nicht global beschrieben werden koennen. Die differentialdiagnostische Verwendung der Merkmalssyndrome in der verkehrspsychologischen Untersuchungsroutine ermoeglicht die notwendige Unterscheidung von Kraftfahrern mit Alkoholdelikten und erleichtert so die Entscheidungsfindung in der Einzelbeurteilung. Die Untersuchungsergebnisse beruhen auf der Analyse einer oesterreichweit zwischen 25. August und 20. November 1991 aus der maennlichen Klientel der verkehrspsychologischen Untersuchungsstellen des Kuratorium fuer Verkehrssicherheit gezogenen Stichprobe. In dieser Stichprobe betrug der Anteil an alkoholauffaelligen Personen 21,4 Prozent, was im Hinblick auf die Gesamtpopulation der Untersuchungsklientel als repraesentativ gesehen werden kann. (A)

  • Corporate Authors:

    KURATORIUM FUER VERKEHRSSICHERHEIT (KFV), LANDESSTELLE STEIERMARK

    NEUTORGASSE 51
    GRAZ,   OESTERREICH  A-8010
  • Authors:
    • LESKY, J
  • Publication Date: 1993-1

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 60S

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01247412
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Nov 20 2010 3:57AM