UNTERSUCHUNGEN DER VERKEHRSSICHERHEIT INNERHALB EINES VERKEHRSSYSTEMS NACH NEU-/AUSBAU VON STRASSEN ANHAND DER HYPOTHESEN VON KNOFLACHER (1987)

In der vorliegenden Studie wurden die Thesen nachgeprueft, die Knoflacher unter dem Titel "Verkehrssicherheit unter dem Gesichtspunkt eines Verkehrssystems" in den "Verkehrsannalen" - Mitteilungen der oesterreichischen verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft, Heft 3/1987 (S. 5 ff) veroeffentlicht hat. Er hat die Auswirkungen von Netzaenderungen beziehungsweise von Neu- beziehungsweise Ausbauten des Strassennetzes auf die Verkehrssicherheit untersucht. Der Argumentation des Artikels folgend treten durch den Ausbau von Strassen Sekundaereffekte auf anderen Strecken auf, die insgesamt sicherheitsmindernd wirken koennen. Die kritische Ueberpruefung der in dem Artikel getroffenen Annahmen sowie der daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen ergaben zusammenfassend folgende Ergebnisse: a) Kernpunkt der These von Knoflacher ist die Hypothese von der Konstanz des Reisezeitbudgets. Diese Hypothese kann zwar nicht angezweifelt werden; sie trifft aber als kurzfristige Reaktion auf Strassenneubauten hoechstenfalls fuer den Bereich des Freizeit-/Erholungsverkehrs zu. Langfristig aber koennte sie die Ursache fuer die zu beobachtenden raeumlichen Strukturentwicklungen und die haeufig damit verbundenen Fahrtweitenverlaengerungen sein. b) Bei Zahlenbeispielen ist Vorsicht geboten: durch entsprechende Wahl der einzusetzenden Parameter und Unfallraten laesst sich nahezu jedes beliebige Ergebnis herausrechnen (Beispiel in dieser Studie). c) Es wurde versucht, anhand zweier konkreter Fallbeispiele (Korridor Stuttgart-Singen und Korridor Landshut-Deggendorf) den Knoflacher-Effekt abzuschaetzen. Die Unfallzahlen der Bundesstrassen und der Bundesautobahnen wurden im Vorher- beziehungsweise Nachher-Zeitraum verglichen. Im gesamten Korridor hat die Zahl der Unfaelle nach Inbetriebnahme der Autobahn leicht abgenommen beziehungsweise blieb konstant. d) Erhoehte Fahrleistungen im Strassennetz sind nicht nur eine Folge des Autobahnbaus, sondern auch der Wirtschafts- und Freizeitentwicklung. e) Insgesamt kann festgestellt werden, dass die von Knoflacher vermuteten Erhoehungen der Unfallzahlen durch Autobahnbau bisher nicht nachweisbar sind. Die Zusammenhaenge zwischen Strassennetz-, Fahrleistungs- und Unfallentwicklung sind viel zu komplex, um mit einer monokausalen Hypothese erklaert werden zu koennen.