VERKEHRSVERMEIDUNG - WELCHE ROLLE KANN DIE RAUMPLANUNG SPIELEN?

Die Siedlungsstruktur stellt eine der zentralen Rahmenbedingungen fuer das Verkehrsgeschehen dar. Die in den letzten Jahrzehnten abgelaufenen Prozesse, die man mit den Schlagworten "Ausdifferenzierung der raeumlichen Nutzungsstrukturen", "Suburbanisierung" und "grossraeumige Arbeitsteilung" zusammenfassend beschreiben kann, haben einerseits zu laengeren Wegen im Verkehr gefuehrt. Sie haben gleichzeitig aber auch schwaechere und schwerer buendelbare Verkehrsstroeme produziert. Disperse raeumliche Zielstrukturen bieten nur geringe Chancen fuer Fahrgemeinschaften, bieten kaum sinnvolle Moeglichkeiten der Abstimmung von oeffentlichem Verkehr und Individualverkehr und bieten nur geringe Attraktivitaet fuer die "Eigenfortbewegung" mit dem Fahrrad und zu Fuss. Durch kompakte Siedlungsgebilde mit ausgewogener Nutzungsmischung liesse sich nicht nur Verkehr vermeiden, es liesse sich auch der verbleibende Restverkehr umweltschonender abwickeln. Es ist jedoch zumindest dafuer zu sorgen, dass eine weitere Entflechtung zum Beispiel von Wohnen und Arbeiten oder von Produktion und Konsum verhindert wird. Hierbei ist zweifellos die Raumplanung mit ihren Instrumenten zur Steuerung der Flaechennutzung gefordert. Eine solche Forderung ist gerade vor dem Hintergrund der dramatischen Entwicklung der Siedlungsstruktur in den neuen Laendern mit ihren Folgen fuer das Verkehrswachstum berechtigt. Angesichts der Schwaeche ihrer Steuerungsinstrumente werden aber Stadtplanung, Regionalplanung und Raumordnung allein das Problem nicht loesen koennen. Hier muss man sich vielmehr die tiefere Ursache des Auseinanderdriftens der raeumlichen Nutzungsstrukturen und der Verkehrsentwicklung vergegenwaertigen: die immer geringer werdenden Raumwiderstaende aufgrund fallender Verkehrskosten und dauernd verbesserter Verkehrsinfrastruktur. Das Ziel der Verkehrsvermeidung verlangt eine integrierte Verkehrs-, Raumordnungs- und Umweltpolitik, die einerseits auf nationaler und europaeischer Ebene die notwendigen Rahmenvoraussetzungen schafft und andererseits auf lokaler und regionaler Ebene "konkret vor Ort" dafuer sorgt, dass diese Voraussetzungen in ein umweltbewusstes Verkehrsverhalten umgesetzt werden koennen. Denn Verkehrsvermeidung heisst nicht Verkehrsverbot, sondern die Bereitstellung der Moeglichkeiten zur Verhinderung unnoetiger Mobilitaet.

Language

  • German

Media Info

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01242896
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Nov 20 2010 1:48AM