KENNGROESSEN DER SUBJEKTIVEN SICHERHEITSBEWERTUNG

Um mehr ueber den Prozess der Sicherheitsbewertung von Verkehrsteilnehmern in Erfahrung zu bringen, wurden drei methodisch unterschiedliche Zugaenge gewaehlt: Beobachtung des Verkehrsgeschehens, Befragungen von Verkehrsteilnehmern und ein Laborexperiment mit Verkehrsteilnehmern. Zugrundegelegt wurde ein im Rahmen des Projekts entwickeltes Modell, in dem fuer die Steuerung des Verkehrsverhaltens ein relativ stabiles einstellungsaehnliches Konstrukt (SUSI-Trait) und eine situationsbezogene Bewertung der eigenen Sicherheit (SUSI-State) eine zentrale Rolle spielen. Die Verkehrsbeobachtungen an je zwei Innerorts- und Ausserortsstrecken dienten primaer der Hypothesengenerierung zur Konkretisierung des Experiments. Mittels Videoaufzeichnung wurden 5.771 Fahrzeuge in verschiedenen Verkehrssituationen erfasst. Fehlende generelle Geschlechts- und Alterseffekte stuetzen unsere grundlegende Annahme, dass das Fahrverhalten wesentlich durch mit diesen Merkmalen interagierende Facetten des Verkehrssystems beeinflusst wird, wie zum Beispiel der Messort und die (soziale) Mitfahrersituation. In der Befragung von Verkehrsteilnehmern wurde die situationsuebergreifende Sicherheit als einstellungsaehnliches Konstrukt definiert und durch die Komponenten Affekt, Kognition und Verhaltensdisposition charakterisiert. Hier zeigt sich, dass die Risikobereitschaft im Strassenverkehr bei Maennern deutlich groesser ist als bei Frauen. Das chronologische Alter erwies sich nur in der Interaktion mit der Schulbildung als bedeutsam. Juengere mit niedrigem Bildungsstand zeigten eine deutlich staerkere Bereitschaft zum Risiko als die uebrigen Gruppen. Im anschliessenden Laborexperiment wurde auf der Basis eines zwanzig Fahrszenen umfassenden Videofilms, der aus der Fahrerperspektive aufgenommen wurde, das situationsbezogene subjektive Risiko und die Verhaltensintention erhoben. Hier ergaben sich bei den Verkehrsteilnehmern keine Geschlechts-, Alters- und Bildungsunterschiede. Das subjektive Risiko ist abhaengig vom Streckentyp und von der Anwesenheit einer mitfahrenden Person. Diese Anwesenheit einer mitfahrenden Person uebt auf die Verhaltensbereitschaft von Frauen und Maennern einen unterschiedlichen Einfluss aus. Sind Mitfahrende im Auto, so zeigen lediglich Frauen ein vorsichtigeres Fahrverhalten. Die situationsbezogene subjektive Sicherheitsbewertung (SUSI-State) ist generell abhaengig von der Fahrerfahrung und der vom Probanden antizipierten Verhaltensintention von Freunden. Bedingungen der situationsuebergreifenden Sicherheitsbewertung (SUSI-Trait) sind die subjektive Norm und die individuelle Bedeutung des Autos. Beide Aspekte der subjektiven Sicherheitsbewertung erwiesen sich als geeignete Praedikatoren der Verhaltensintention.