WISSENSCHAFT UND PRAXIS IM DIALOG: MOEGLICHKEITEN UND BEDEUTUNG EINER GEMEINSAMEN VERKEHRSSICHERHEITSFORSCHUNG AM BEISPIEL DES PROJEKTES LINGEN (EMS)

In insgesamt neun vergleichbaren Gemeinden im laendlichen Raum wurde das Geschwindigkeitsverhalten von Kraftfahrern bei unterschiedlichen polizeilichen Interventionen untersucht. Die Gemeinden wurden jeweils zu drei sogenannten "Clustern" zusammengefasst. Jedes Cluster bestand aus einer Gemeinde, in der mit delegierter Belohnung und einer Gemeinde in der mit Repressionsmassnahmen versucht wurde, das Geschwindigkeitsverhalten der Kraftfahrer positiv zu beeinflussen. Bei der delegierten Belohnung wurden die Kraftfahrer fuer mehrheitlich regelkonformes Verhalten durch eine vorher in Aussicht gestellte Spende fuer eine lokale soziale Einrichtung "belohnt" (zum Beispiel 5.000,- DM fuer einen Kindergarten). Die Repressionsmassnahme basierte auf der Idee "rotierender Schwerpunktkontrollen". In einer dritten Gemeinde (Kontrollgemeinde) kamen keine besonderen Massnahmen zur Anwendung, es wurde zu Vergleichszwecken im alten Stil weitergemessen. Im Ergebnis waren die Repressionsmassnahmen in allen drei Faellen erfolgreich, die Belohnungsmassnahmen hingegen nur in einem Fall. Die Belohnungsmassnahme fuehrte (soweit erfolgreich), zu einer zeitlich stabilen Reduzierung der Geschwindigkeitsueberschreitungen, waehrend die "ueberschiessende Gegenreaktion" zumindest in einer Repressionsgemeinde nach Wegfall des "Strafreizes" das alte Verhalten schnell wieder aufleben liess. Als gesicherte Erkenntnis gilt, dass die Reduzierung von Geschwindigkeiten durch Schwerpunktkontrollen nach vorliegendem Konzept sicher zu erzielen war. Bei der delegierten Belohnung kommt es massgeblich auf die Objektauswahl und eine flankiernde, intensive Oeffentlichkeitsarbeit an. Es gibt deutliche Anzeichen dafuer, dass mit der drastischen Reduzierung von Geschwindigkeitsueberschreitungen eine nahezu aehnliche Reduzierung der Verkehrsunfaelle einhergeht. (A) Referat gehalten auf dem internationalen Seminar der Polizei-Fuehrungsakademie in Muenster vom 14. bis 16. Juni 1994. Siehe auch Gesamtaufnahme des Seminars, IDS-Nummer 334488.

  • Corporate Authors:

    POLIZEI-FUEHRUNGSAKADEMIE

    ZUM ROTEN BERGE 18-24
    MUENSTER,   DEUTSCHLAND BR  D-48165
  • Authors:
    • WOLF, U
    • MACHEMER, E
  • Publication Date: 1994

Language

  • German

Media Info

  • Pagination: 227-38

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01240430
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Nov 20 2010 12:26AM