Unfallvermeidung durch Reibwertprognosen. Umsetzung und Anwendung

Aufbauend auf dem in AN 01698639 vorgestellten Verfahren zur Schätzung des Reibwertpotenzials, werden weitere Optimierungsansätze verfolgt, um das volle Potenzial des Schätzverfahrens zu heben. Zum einen stellte sich die Frage, ob es ein standardisiertes Messverfahren gibt, mit dem das Gripniveau auf der Straße vermessen werden kann und dessen Messwerte als Basis für das Schätzverfahren genutzt werden können. Zum anderen stand die Verbesserung des Schätzalgorithmus im Fokus. Der bisherige Ansatz kann seine prinzipielle Funktionalität für alle Zwischenschichtzustände nachweisen, berücksichtigt jedoch nicht lokale Einflüsse, wie beispielsweise Besonderheiten der Verkehrsinfrastruktur (Brücken, Randbebauungen, Vegetation, etc.). Als besonders effizient erwies sich dabei die Nutzung von Radardaten, die Einbindung weiterer meteorologischer Größen (zum Beispiel Regenradar) und deren genauere Auswertung. Auch hat sich gezeigt, dass eine Auswertung der akustischen Messungen des Reifenabrollgeräuschs ein hohes Potenzial hat, die Genauigkeit der Reibwertpotenzialschätzung zu erhöhen. Nicht zuletzt konnte durch die gezielte Analyse der Datenbank ein genaueres Verständnis für die erhobenen Daten erzielt werden, sodass sich auch dadurch eine präzisere Schätzung des maximalen Reibwerts ergeben hat. In den Untersuchungen zu den Gripmessverfahren konnte kein Verfahren gefunden werden, welches abschließend alleinig geeignet scheint, um für alle Zwischenschichtzustände verlässliche Angaben zum Gripniveau der Straßenoberfläche zu ermöglichen. Einzelne Verfahren haben jedoch gezeigt, dass es prinzipiell möglich ist, für dezidierte Zwischenschichten belastbare Ergebnisse zu generieren. So zeigt sich, dass kontinuierliche Messverfahren, welche in Längsrichtung des Fahrzeugs messen und dabei möglichst reale Reifen und reale Längskräfte nutzen, prinzipiell das wiedergeben, was unter Realbremsungen gemessen wurde. Für die Erstellung einer digitalen Glättekarte musste die Schätzung der Zwischenschicht unabhängig vom Fahrzeug und damit unabhängig von Messgrößen, die bisher am Fahrzeug gewonnen wurden, geschätzt werden. Dazu war es vor allem notwendig, verlässliche Daten zur örtlichen Regenintensität zu erhalten. Die Glättekarte selbst hat den großen Vorteil, dass sie fahrzeugunabhängig für beliebige Regionen aktuelle Zwischenschichtzustände und daraus abgeleitet auch aktuelle Reibwertpotenziale anzeigen kann. Diese Daten können beispielsweise cloudbasiert allgemein nutzbar gemacht werden. Die digitale Glättekarte hat sich prinzipiell als gut funktionierend gezeigt, im Detail sind allerdings noch einige Verbesserungen notwendig. Des Weiteren gibt es unzählige Möglichkeiten, die Qualität der Zwischenschichtschätzung durch die Hinzunahme weiterer Informationen zu verbessern. Das gilt sowohl für die Glättekarte als auch für die Reibwertpotenzialschätzung unmittelbar im Fahrzeug. Daher sollten weitere Forschungsaktivitäten durchgeführt werden, um die Reibwertschätzung durch die Fusion von möglichst vielen Informationen verlässlicher und robuster zu gestalten.

  • Record URL:
  • Availability:
  • Supplemental Notes:
    • Forschungsprojekt, gefördert mit Mitteln der Forschungsvereinigung Automobiltechnik e.V. (FAT). Auftragnehmer: Technische Universität Berlin, Institut für Land- und Seeverkehr, Fachgebiet Kraftfahrzeuge.
  • Authors:
    • Müller, G
    • Leschik, C
    • Gregull, V
    • Sieron, N
    • Müller, S
  • Publication Date: 2019

Language

  • German

Media Info

  • Media Type: Web
  • Features: Figures; References; Tables;
  • Pagination: 107p
  • Serial:
    • FAT Schriftenreihe
    • Publisher: Forschungsvereinigung Automobiltechnik e.V.
    • ISSN: 2192-7863

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01736319
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Apr 20 2020 10:51AM