Versorgung somatischer und psychischer Verkehrsunfallfolgen

Das Risiko, Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, ist größer als das Risiko Opfer eines Verbrechens zu werden, dennoch zeigt sich, dass ein erheblicher Handlungsbedarf hinsichtlich der Verbesserung der Versorgung von Unfallopfern besteht. Die Bachelorarbeit der Autorin hat dazu die medizinische, psychische und rechtlich-finanzielle Versorgung von Geschädigten nach einem schweren Verkehrsunfall in den Blick genommen. Verbesserungsbedürftig und beeinflussbar zeigten sich insbesondere die Bereiche Gesetzgebung und Polizeiarbeit, Versicherung und Krankenkasse, Klinik und Pflege sowie Psychotherapie. Festgestellt wird unter anderem, dass sich das Opferentschädigungsgesetz (OEG) an mehreren Stellen als reformbedürftig erweise. Verkehrsopfer sollten auch im deutschen Opferschutzrecht berücksichtigt werden. Standards sollten vollständig der EU-Opferschutzrichtlinie entsprechen und auch für Unfallopfer in Deutschland gelten. Unfallopfer, die von psychischen Erkrankungen betroffen sind, sollten die Möglichkeit einer Sicherung der psychischen Unfallfolgen durch einen psychologischen Gutachter erhalten. Beim Täter-Opfer-Ausgleich sei die Gesetzeslage so anzupassen, dass die Geldstrafe bei einem Verkehrsunfallopfer nicht dem Staat zukommt, sondern (zumindest teilweise) dem Unfallopfer. Bezüglich der Geltendmachung von Rechtsansprüchen sind gute Kenntnisse des Sozialrechts beim Rechtsanwalt gefragt sowie Transparenz und Aufrichtigkeit gegenüber dem Klienten. Von Seiten der Polizei wird professionelle Unfallbearbeitung und soziale Kompetenz gefordert, damit Unfallopfer und ihre Angehörigen die nötige Ansprache und nötige Informationen haben, um berechtigte Ansprüche durchzusetzen zu können. Verbesserungswürdig sei auch die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Kliniken. Hier sei für eine gelingende Kooperation der Mensch in den Vordergrund zu stellen, nicht die Aufgaben wahrnehmende Institution. Zu kritisieren seien vor allem Versicherungen und Krankenkassen, die den Auftrag annehmen müssten, das betroffene Opfer unbedingt in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Kritikwürdig seien vor allem die langen Abwicklungsperioden bei der Geltendmachung von Ansprüchen sowie ein Verdrängungswettbewerb unter den Versicherungen, der Unfallopfer unnötig belaste. Zu kritisieren sei des Weiteren, wenn Kliniken nicht spezialisiert genug oder Ärzte nicht erfahren genug für den medizinischen Bedarf des Unfallopfers seien und wenn es an geeigneten Kräften in der Pflege fehle. Brauche das Unfallopfer infolge der psychischen Unfallfolgen eine Psychotherapie so seien viele Hürden zu nehmen. Gefordert wird ein psychologisches Unfallmanagement, das eine produktive und zielführende psychische Nachsorge ermöglicht. Gefordert wird des Weiteren mehr Unterstützung von Institutionen, die Aufklärung leisten können und rechtlichen Beistand geben können.

Language

  • German

Media Info

  • Media Type: Print
  • Features: Figures; References;
  • Pagination: pp 288-94
  • Serial:
    • Verkehrsdienst
    • Volume: 64
    • Issue Number: 11
    • Publisher: Verlag Heinrich Vogel, Springer Fachmedien München GmbH
    • ISSN: 0341-4388

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01730529
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Feb 4 2020 3:55PM