Sicherheit und Nutzbarkeit markierter Radverkehrsführungen

Safety and usability of marked cycle lanes

In einem Forschungsprojekt der Unfallforschung der Versicherer (UDV) wurde durch das Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb der TU Berlin die Verkehrssicherheit markierter Radverkehrsanlagen auf der Fahrbahn (Radfahrstreifen und Schutzstreifen) umfassend untersucht. Neben einer Literaturanalyse wurde eine Online-Befragung von Kommunen zum Einsatz, zur Gestaltung und zu den Erfahrungen mit markierten Radverkehrsführungen sowie zu potenziellen Untersuchungsstrecken geführt. Für ausgewählte Untersuchungstrecken mit Radfahrstreifen und Schutzstreifen wurden die Radverkehrsunfälle mit Personenschaden der Jahre 2013-2015 umfassend untersucht, auf einigen Strecken videogestützte Vor-Ort-Erhebungen durchgeführt, um das Verhalten des Rad- und Kfz-Verkehrs und das Konfliktgeschehen zu untersuchen sowie außerdem Befragungen von insgesamt 1.370 Radfahrern zu ihrem Verkehrsverhalten und zur Wahrnehmung der untersuchten Radverkehrsführungen vor Ort durchgeführt. Teilweise wurde außerdem der seitliche Abstand überholender Kfz und Radfahrer gemessen (insgesamt 7.688 Überholvorgänge). Ein „Rechtsgutachten zu markierten Radverkehrsführungen“ (siehe AN 01718038) sollte klären, welcher „Bedarf“ das Befahren von Schutzstreifen durch andere Fahrzeuge rechtfertigt und welcher seitliche Abstand beim Überholen von Radfahrern auf markierten Radfahr- und Schutzstreifen eingehalten werden muss. Wie die Untersuchung zeigt, sind Radfahr- und Schutzstreifen in Deutschland sehr weit verbreitet. Etwa 60 Prozent der Radverkehrsunfälle mit Personenschaden ereigneten sich an Kreuzungen und Einmündungen, auf den Streckenabschnitten der markierten Radverkehrsführungen geschahen viele Unfälle im ruhenden Verkehr. Ein hohes Unfallrisiko zeigte sich insbesondere für schmale Radfahr- und Schutzstreifen sowie für solche, neben denen geparkt wird. Viele Radfahrer fühlen sich auf den markierten Anlagen nicht sicher. Insbesondere schmale Streifen werden häufiger gemieden. Fast 40 Prozent der beobachteten Radfahrer in der Untersuchung wurden auf den Streifen behindert. Ein Drittel der beobachteten Konflikte wurde durch auf den Streifen parkende, haltende oder fahrende Kraftfahrzeuge ausgelöst. Knapp ein weiteres Drittel der Konflikte waren Konflikte mit abbiegenden Kraftfahrzeugen und acht Prozent Konflikte beim Ein- oder Ausparken oder durch geöffnete Fahrzeugtüren. Beim Überholen von Radfahrern auf Schutz- und Radfahrstreifen unterschreitet fast jeder zweite Kraftfahrzeugführer einen Seitenabstand von 150 cm. Es werden Empfehlungen zur verbindlichen Markierung von Sicherheitstrennstreifen zum ruhenden Verkehr, zu den Breitenvorgaben für Schutz- und Radfahrstreifen, sowie zur Breite der Restfahrbahn für den Kfz-Verkehr (Kernfahrbahnbreite) gegeben. Des Weiteren wird gefordert, Verstöße, die in Behinderungen und Risiken für die Radfahrer resultieren, konsequent zu überwachen und zu ahnden.

Language

  • German
  • English

Media Info

  • Media Type: Print
  • Features: Figures; References; Tables;
  • Pagination: 16p&16p
  • Serial:

Subject/Index Terms

Filing Info

  • Accession Number: 01718016
  • Record Type: Publication
  • Source Agency: Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Files: ITRD
  • Created Date: Sep 25 2019 9:14AM